Die Polarisationstheorie thematisiert den Zuammenhang von Raum und Macht, indem sie dem Staat als Machthaber eine zentrale Rolle bei der Förderung von Entwicklung zuweist. Die verschiedenen Ansätze unterscheiden sich jedoch deutlich, worin die konkreten Staatsaufgaben bestehen. Alle Theorien fordern einen aktiven, koordinierenden Staat. Gunnar Myrdal ist derjenige, der der kapitalistischen Marktwirtschaft am kritischsten gegenübersteht und daher die weitestgehende Einschränkung des Marktmechanismus durch staatliche Intervention und Wirtschaftsplanung fordert. Hirschman und die Neue Wachstumstheorie bilden mit ihrem sozialliberalen Ansatz die Gegenposition. Auch diese Ansätze stellen einen Erkenntnisfortschritt gegenüber den liberal-autoritären Theorien dar. Gleichzeitig akzeptieren sie aber die auf Privateigentum basierende Marktwirtschaft als unbestritten beste Wirtschaftsordnung, weshalb der Raum für Staatsinterventionen eng abgesteckt ist. Die gesellschaftliche Rationalität einer Republik kann nicht über der ökonomischen Logik von Markt und Kapital stehen. Deshalb gilt die Myrdalsche Vorstellung, dass der Staat die Res publica repräsentiere, als überholt. Auf Polarisation kann sozialliberal nur innerhalb der gegebenen Struktur einer kapitalistischen Marktwirtschaft reagiert werden. Polarisation mag so statistisch dokumentiert werden, es fehlen aber politische Instrumente, um dagegen anzugehen.
Wirksame politische Strategien zum Ausgleich von Entwicklungsunterschieden die die Peripherie begünstigen, wie Kapitalverkehrskontrollen auf internationaler Ebene, eine Einschränkung von unsozialem und unökologischem Wettbewerb innerhalb eines Währungsraums oder die Begrenzung der Immobilienspekulation zulasten schwacher Bevölkerungsgruppen gelten als politsch nicht durchsetzbar. Selbst wenn Polarisierung zum Wesen der herrschenden Ordnung gehöre, sei diese doch unbestritten die einzig mögliche Weltordnung. So sehr sich die sozialliberalen ÖkonomInnen auch von den MarktfundamentalistInnen abgrenzen, so wenig rütteln auch sie anden Wurzeln des Status Quo, insbesondere an der Frage der Verteilung von Eigentum. |