François Perroux (1991) lieferte in den 1950er Jahren eines der ersten Konzepte regionaler und sektoraler Polarisation, wobei er den ökonomischen Verflechtungsraum als ein Kräftefeld, das durch Machtbeziehungen strukturiert wird, darstellte (Becker 2002: 206). Hierbei erklärt sich die räumliche Dynamik wesentlich aus den wirtschaftlichen Aktivitäten, allen voran den Verflechtungen zwischen Unternehmungen. Perroux führt Macht als ökonomische Kategorie ein, indem er von Dominanzeffekten spricht. Damit unterscheidet er sich von der neoklassischen Theorie, die die Existenz von Macht in einer funktionierenden Marktwirtschaft leugnet. Durch die Dominanz großer Unternehmungen wird die Entstehung von Monopolen genau so möglich wie räumliche Zentralisierung.
Wachstumspole sind demnach Orte, an denen durch diverse Verflechtungen eine Entwicklungsdynamik in Gang gesetzt wird. Unterentwickelte Regionen hingegen sind durch die Abhängigkeit zu zentralen Ökonomien gekennzeichnet. Zusammen bilden Zentrum und Peripherie das, was später in der Grenobler Schule der Regulationstheorie als Produktivsystem, d.h. als ein integrierter Raum von Akkumulation und Regulation, bezeichnet wird (Becker 2002: 209).
Der Ansatz von Perroux kann als Pionierarbeit über Raumwirtschaft und als Grundlage regionaler Wirtschaftsplanung bezeichnet werden. Er entwirft ein alternatives Paradigma zum neoklassischen Marktmodell, das aber große begriffliche Unschärfen aufweist. Perroux, wie viele nach ihm, unterscheidet nämlich nicht klar zwischen Polarisation als einem sektoralen und einem räumlichen Prozess. Ob aber die Konzentration von Hochtechnologiefirmen räumlich ist, die Eigentumsstruktur oder die Handelsbeziehungen betrifft, macht einen bedeutsamen Unterschied. “Zur Erklärung konkret räumlich sichtbarer regionaler Pole ist das Konzept sektoraler Polarisation nicht in der Lage” (Schilling-Kaletsch 1976: 25). Es ist die vielleicht größte Schwäche dieses Ansatzes, dass die Rolle von Politik und Staat unklar bleibt, und er daher nicht erklären kann, wie Dominanzstrukturen verändert werden können (Becker 2002: 208). |