Die Neoklassik ist die heute dominante Strömung in den Wirtschaftswissenschaften. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Abgrenzung von der Klassik, in deren Mittelpunkt Entwicklungs- und Wachstumsprozesse, Verteilungsfragen und Interessenkonflikte standen (Screpanti, Zamagni 2001). Die Neoklassik baut auf dem methodologischen Individualismus auf und ist eine Marktwirtschaftstheorie, die den Markt als eine Preisausdifferenzierungsmaschine sieht, so wie sich Ökonomie überhaupt einen dauernden Optimierungsprozess reduzieren lasse. Für die Entwicklung von Räumen ebenso wie für soziale Unterschiede hat die Neoklassik das Vertrauen in die Marktkräfte als Lösung anzubieten, denn diese tragen zur Herstellung gesellschaftlicher Gleichgewichte bei. Der Markt, einmal als freier Markt von Machteinflüssen befreit, überwinde auch durch seine Selbststeuerungskräfte sozialräumliche Polarisierung. Wenn es soziale Probleme gibt, dann sind sie politisch, allen voran durch Staatsversagen verschuldet. Die Neoklassik bildet bis heute den Referenzrahmen, an dem sich alle Theorien über sozialräumliche Unterschiede orientieren, sei es kritisch oder affirmativ. |