Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es eine lange Tradition lateinamerikanischer Forschung über räumliche Polarisation gibt, die den bedeutsamsten eigenständigen Theoriebeitrag des Kontinents darstellt. In diesen Theorien werden strukturelle Erklärungen für Polarisation vorgelegt, die die Abhängigkeit der Peripherie als ein vielschichtiges Phänomen beschreiben, das Politik, Ökonomie, Technologie und Kultur gleichermaßen umfasst. Es ist jedoch eine Theorie, die Raumhierarchien jedoch insofern vereinfacht, als es vor allem die Dialektik Welt – Nation behandelt. Regionale Aspekte von Polarisation werden nur am Rande, lokale und städtische gar nicht behandelt.
Was die Rolle des Staates betrifft, so geht die CEPAL von einem naiven Staatsverständnis aus, wonach der Staat das Allgemeinwohl repräsentiere. Gleichsam als Gegenkonzept leugnet eine mechanistische Dependenztheorie jeglichen politischen Handlungsspielraum im Kapitalismus. Sie reduziert Politik auf die dualistische Gegenüberstellung von Kapitalismus und Sozialismus. Im historisch-strukturellen Ansatzes findet sich das ausgereifteste Modell des Staates als eines Kräftefeldes, auf dem soziale Akteure versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. |