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Kultur, Raum, Landschaft. Fachseminar SS 2003 - Elke Mader und Ernst Halbmayer
 
Studierende des Interdisziplinären Lehrgangs für Höhere Lateinamerika Studien
Österreichisches Lateinamerika-Institut
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 up 2 Weltbild, Mythos und Schamanismus
 up 2.4 Zeit- und Raumkonzeption mehrer bäuerlicher Gemeinschaften der Nordanden - Bernadette Schiefer
 up 2.4.1 Lebenswelt der Bauern in El Cocoy, Coyaima, Popayan

2.4.1.1 El nino de la auca und der mohan

Von El Cocoy führt ein Pfad nach Sacáma, wo wie in den Zeiten vor den Spaniern Salz gewonnen wird, dazu füllt man das Salzwasser einer Quelle in einen Tontopf und stellt diesen aufs Feuer. Das Wasser verdunstet und man schüttet so lange nach, bis der ganze Topf mit Salz gefüllt ist. Händler bringen dieses Salz auf den Rücken zu Fuß über die Rechinigaberge ins Tal von El Cocoy. Ein Mann, der mit einem Salzstein beladen das Rechinigagebirge überquert hatte, erzählte, dass er inmitten der Einsamkeit auf einen kleinen Buben von etwa sieben Jahren traf, der ihn bat, ihn über die Berge bis nach El Cocoy zu bringen. Der Händler wollte ihm zu essen geben, doch der Junge lehnte ab. So nahm er ihn auf seinem Rücken und trug ihn bis zur Passhöhe. Dort oben sprach der Junge ihn an und meinte, er solle ihm jetzt zu essen geben, da er jetzt Zähne hätte. Als der Mann aufblickte, hatte sich der Bub in ein Skelett mit dolchartigen Zähnen verwandelt. Der Mann brach bewusstlos zusammen, und hatte Glück, dass am selben Tag vier Männer den Pass überquerten und ihn nach El Cocoy mitnahmen. Er war verstummt, litt an Brechdurchfall und konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Das Treffen mit dem Wesen, einem nino de la auca, hatte bei ihm tongorongo ausgelöst.

In den Bergseen lebt ein dunkler, beharrter Mann mit großen Genitalien, der es auf attraktive Frauen abgesehen hat. Eine Frau erzählte, dass ihr eine zeitlang immer dieser mohan genannte Mann erschien, wenn sie am See, unterhalb ihres Hauses, vorbeiging. Alle ihre Gedanken kreisten nur mehr um ihn und in der Nacht besuchte er sie in erotischen Träumen. Sie hatte keine Lust mehr zu gar nichts und ihr fehlte der Appetit. Der mohan hatte sie ergriffen, und nur die Behandlung durch einen Medizinmann erlöste sie aus seinen Fängen, auch dies war eine Art tongorongo. Andere Erzählungen handelten von den duenden, kleine Männer mit Strohhut und nach hinten gedrehten Füssen und Händen, die gern auf abgelegenen Feldern leben, ein Mann traf auf den patasola, den einbeinigen Geist, den er zuerst für einen beinamputierten Nachbar hielt, und brach dann zusammen. Den Weg eines anderen kreuzte ein Hund, dessen feurige Augen verrieten, dass es sich um einen verwandelten Hexer handelte. Tongorongo oder auch tucutucu führt zu Durchfall, man wird apathisch und wer nicht behandelt wird, kann sogar daran sterben. Tongorongo kann zu Verstummen, Lähmung und manchmal zu Anfällen führen. Der Körper erkaltet und die Eingeweide verrutschen, selbst das Steißbein ist nicht mehr in Position, das alles können nur die Heiler behandeln.

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