Der Prozess der Globalisierung als „dritte Welle der Veränderung im indigenen Amazonasgebiet“ im Sinne Graneros (1996:11) führte auch im Bereich schamanischer Tätigkeitsfelder und Handlungsräume zu Veränderungen. Die in Quantität und Qualität stark gestiegenen Mobilitäten und intensivierten Austauschverhältnisse von Kommunikation, Menschen und Produkten sind offenkundige Phänomene unserer „globalisierten“ Zeit. So kamen einige Handlungsgebiete des indianischen Schamanismus großteils zum Erliegen, während andere Bereiche – aufgrund der Einengung auf dieselbigen – heute deutlich hervortreten. Außerdem ist oftmals die Kundschaft nicht mehr auf das ethnische Umfeld reduziert, sondern hat sich stark erweitert. Diese Modifikation der sozialen Kontakte schamanischen Handels drückt sich in einem komplexen Transformationsprozess aus (Mader 2001:95f, 103).
Die größte Herausforderung wiederum, die der Schamanismus modernen, „globalisierten“ Vorstellungen gegenüber darstellt, ist seine soziale und politische Dimension, denn wie Vitebsky (1996:128) unterstreicht, bietet der Schamanismus „eine Weltsicht an, in der der Mensch nicht über seine Umwelt herrscht, sondern diese nützt, und das geschieht durch gefährliche, hart erkämpfte Kompromisse, ständige Aufmerksamkeit und Achtung. (...) es wird sich zeigen, ob schamanische Vorstellungen den Bedürfnissen des modernen Menschen in einer immer stärker gespaltenen und wurzellosen Gesellschaft nützlich sein können.“
Auf alle Fälle hat die Verbreitung schamanischer Aktivitäten über die ethnischen Grenzen hinweg in der mestizischen, vermutlich aber auch in der weißen nordamerikanischen und europäischen Gesellschaft zu einer Aufwertung des Bildes des Indianers geführt. Dem „Wilden“ als typische Assoziation des Amazonas-Indianers, haftet nun ein wesentlich positiverer Aspekt an und zwar der des Trägers spezifischen Wissens. |