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Kultur, Raum, Landschaft. Fachseminar SS 2003 - Elke Mader und Ernst Halbmayer
 
Studierende des Interdisziplinären Lehrgangs für Höhere Lateinamerika Studien
Österreichisches Lateinamerika-Institut
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 up 2 Weltbild, Mythos und Schamanismus
 up 2.1 Schamanische Visionen und Malerei im Amazonasgebiet - Franziska Schmidtkunz
 up 2.1.3 Visionserfahrungen

2.1.3.1 Seelenreisen

Ein sehr bedeutsames Element im Schamanismus ist die Fähigkeit, sich in einen veränderten Bewusstseinszustand zu versetzen, welcher Seelenreisen oder Seelenflüge der SchamanInnen durch den Kosmos und in andere Reiche und Welten, oder besser Sphären der einen Welt ermöglicht. Diese Vorstellung basiert auf einer spezifischen Konzeption der Person als ein „doppeltes“ menschliches Wesen: der Körper und die Seele(n). Ganz allgemein gesprochen wird hier ein Teil der Person als „unsichtbar“ beschrieben; es handelt sich dabei um ein Element, das den Körper verlassen kann und nach dem Tod der Person weiterlebt (Perrin 1995:5). Mit dieser konzeptuellen Voraussetzung können folglich Seelenreisen oder Seelenflüge vorgenommen werden. Die SchamanInnen überwinden dabei, wie es Ladurner ausdrückt, „die Grenzen des Ichs, der Zeit und des Raumes“, sie begeben sich auf Bewusstseinsreisen in ihr Inneres und unternehmen gleichzeitig Reisen in weit entfernte Welten.

Dort befinden sich die geistigen Kräfte, die auf Gesundheit und Ernährung, Glück und Unglück, Erfolg und Misserfolg der Gesellschaft (oder des Individuums) einwirken können. Die SchamanInnen müssen in diese spirituellen Reiche reisen, um die Geister dazu zu bewegen, sich anders zu verhalten (www.parapsychologie.ac.at/programm/ss2001/ladurne/vortrag.htm).

Allerdings können SchamanInnen nicht ohne Hilfe handeln und sind abhängig von Helfern – ihre Leistungen sind deswegen vielmehr „überunterstützt“ als „übermenschlich“, wie Vitebsky (1996:66) es ausdrückt. Auf diesen Reisen zu anderen Reichen benutzen die SchamanInnen entsprechend Träger wie z.B. Vögel, um zum Himmel zu fliegen oder Fische, um zum Meeresgrund zu tauchen. Diese Trägergestalten sind Ausdruck der außerordentlichen Fortbewegungsfähigkeit der SchamanInnen (Vitebsky 1996:15, 70).

Es gibt allerdings auch Beispiele von Heiltherapien, in denen die psychische Reise der Schama-nInnen ausschließlich in Bereichen der gegenwärtigen, normalen Welt stattfinden. Solche Reisen zeichnen sich durch ihre besondere Wirkung auf die PatientInnen aus: ihnen wird ihr körperlicher und geistiger Zustand anhand einer Landschaft dargestellt mit der sie vertraut sind und sie kann auch vollständig innerhalb des Körpers der PatientInnen stattfinden (Vitebsky 1996:72f).

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