Gegenüber dem lateinamerikanischen ist der innerstädtische Straßenraum in Europa oft durch seine historische Entwicklung bestimmt. Dem Denkmalschutz wird mehr Platz in der Stadtplanung eingeräumt als in Südamerika. Das ist nicht nur auf unterschiedliches Fortschrittsdenken zurückzuführen, sondern auch deshalb so, weil die Erhaltung der Baujuwelen in Europa eine rentablere Investition darstellt.
Wie bereits weiter oben angesprochen, ist der Erhalt historischen Wohnraumes in einem Immobilienmarkt mit gesicherten Rahmenbedingungen weit rentabler, weil die Immobilie einen langfristigeren Wert darstellt als in einem instabilen Immobilienmarkt. Zum Beispiel haben Denkmalschutz, Bodenordnungsmaßnahmen oder eine verläßliche Infrastrukturplanung darauf Einfluß, wie dieser Markt sich in ökonomischen Krisen verhält. Als Folge des Denkmalschutzes gemeinsam mit verordneten Bauausmaßbeschränkung kann man die historische Segmentierung von Häuserzeilen oder Vierteln nach Baustilen, wie sie in den historischen Kernen der europäischen Großstädte vorkommen, erklären. Ganze Straßenzüge oder sogar Vierteln sind mehr oder weniger geschlossen erhalten geblieben. In lateinamerikanischen Städten sind ähnliche Segmentierungen dann zu beobachten, wenn insgesamt über Jahrhunderte weg kaum neue Gebäude errichtet wurden oder ganz neue Entwicklungszonen entstanden sind und daher kein Verdrängungsdruck vorhanden war.
Das wesentlichste Gefährdungspotential im städtischen System in Europas Straßenräumen der Städte ist die von dem hohen Grad an Motorisierung ausgehende Inbesitznahme der Räume durch die Verkehrsfunktion mit ihrer hohen Störungsanfälligkeit. Die größten Entspannungspunkte im räumlichen System sind die Grünanlagen und Parks. |