Die Entwicklungsbereiche der Lateinamerikanischen Ballungsräume zeichnen sich durch flexible und damit gleichzeitig schnelllebige Strukturen aus, in denen das investierte Kapital möglichst kurzfristig Gewinne möglich machen soll. Distanzen werden heutzutage innerhalb des Großraumes reduziert, das ganze Ambiente entsprechend dominierender Nutzungen designed und solcherart Cluster mit beschränkter Lebenszeit gebildet („Stadt am Rande der Stadt“, am Rand von Sao Paolo und Buenos Aires, Alphaville nahe Sao Paolo, sogenannte edge cities).
In Europa findet der Prozess der flexiblen Produktionsweisen, der durch die postfordistischen Wirtschaftsstrukturen bestimmt wird, weniger durch die Bildung physischer Räume mit Tendenzen zu normierten Qualitäten seinen Niederschlag, als vielmehr durch die Herstellung von Verbindungen von Wirtschaftssubjekten, die sich in spezifischen Raumnischen einnisten, sich also den Entwicklungsraum suchen und adaptieren. Den institutionellen Rahmen bilden die RIZ (Regionale Innovationszentren, Unterstützungsdienste für Frimenneugründungen), Firmenansiedlungsgesellschaften (z.B.: Ecoplus in NÖ), Clustermanagmentorganisationen und Regionalmanagementorganisationen.
In einer Zeit, in der verschriftliches/kodifiziertes Wissen nahezu ubiquitär verfügbar ist, wird das Beziehungswissen, das nur in der konkreten Interaktion der Akteure vor Ort zur Entfaltung kommt, zur entscheidenden Größe im regionalen Wettbewerb. Das aus Erfahrung gewonnene gemeinsame Wissen innerhalb einer Region bestimmt zu einem guten Teil die Chancen dieser Region im Wettbewerb, denn der Fundus an Wissen wirkt identitätsbildend und hilft bei der Formulierung von Strategien. (Einhard Schmidt-Kallert, Petra Stremplat-Platte in E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit, Nr. 3, März 2002, S. 79 – 81).
Die verortbaren Strukturen in Europa werden tendenziell bewahrt und nicht durch neue ersetzt, was sich beispielsweise durch die beständige Beibehaltung von Nutzungsformen auf den traditionellen Standorten ausdrückt. Das bringt den Vorteil mit sich, daß gewichtige Veränderungen für bestehende Nutzungsformen weniger existenzbedrohend und damit kalkulierbarer und sicherer für einmal getätigte Investitionen werden.
Daher müssen aber auch für neuartige Entwicklungen erst Entwicklungsräume abseits der bestehenden Strukturen geschaffen werden. Die Errichtung von Wohnhochhäusern an den Stadträndern europäischer Großstädte ist ein typisches Beispiel dafür. Die Phänomene der Suburbanisierung, mit ihrer großräumigen Verortung von singulären Nutzungen sind vor allem Ausdruck mangelnder Flexibilität der räumlichen Strukturen bzw. Folge der hohen Bodenpreise in den Zentren (Vgl. die Folgen der Bodenrentenveränderung lt. Alonso und Thünen: Wenn eine Stadt wächst oder schrumpft, wird sich auch die Bodenpreisverteilung verändern. Mit der Veränderung der Bodenpreisverteilung werden sich daher die Standorte der Unternehmen ebenfalls verändern müssen, http://userpage.fu-berlin.de/~bressler/geoskript/lanu1.htm).
Unter Suburbanisierung versteht man die Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt, dem ländlichen Raum oder anderen metropolitanen Gebieten in das städtische Umland bei gleichzeitiger Reorganisation der Verteilung von Nutzungen und Bevölkerung in der gesamten Fläche des metropolitanen Gebietes (FRIEDRICHS, J. (1995) Stadtsoziologie, Opladen). |