Die Einteilung der Räume je nach deren Entwicklungsgrad bzw. wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ist umstritten und wird heute auch bei der Ausweisung von Entwicklungsländern nicht mehr einheitlich vorgenommen. Trotzdem werden diese Kategorisierungen abhängig vom wirtschaftlichen Potential innerhalb der Europäischen Union als Basis für die Zuweisung von Förderungen herangezogen. (Förderregioneneinteilung im Rahmen des Strukturfonds lt. EU: These areas include regions whose per capita GDP does not exceed 75% of the Community average, as well as the thinly populated regions).
Durch die kombinierte Tätigkeit aller Strukturfonds sollen die Ungleichgewichte in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zwischen den Regionen der Europäischen Gemeinschaft abgebaut werden.(http://europa.eu.int/comm/secretariat_general/sgc/aides/forms/regio07_de.htm).
In Lateinamerika besteht keine formalisierte, rankingartige Struktur als Basis für Regionalentwicklung, die auf einem Vergleich der Wirtschaftskraft aufbauen würde. Auch in der angestrebten amerikanischen Freihandelszone ALCA ist das Konzept von Strukturförderungen (regionale Umverteilungsinstrumente) bzw. Regionalpolitik nicht vorgesehen (http://www.ftaa-alca.org/ministerials/quito/minist_e.asp, offizielle Homepage der ALCA in engl.).
Während der europäische Raumbegriff in Zeiten des Postfordismus von der Entwicklungsfähigkeit räumlicher Einheiten auch im Sinne einer Neudefinierung von Räumen bzw. der Überwindung von Grenzen ausgeht, wird in Lateinamerika stark der Begriff der Marginalisierung und Polarisation in den Diskussionen in den Mittelpunkt gerückt (Vgl. Novy, Parnreiter, Fischer Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierungen in Lateinamerika, Afrika und Asien., Brandes&Apsel/Südwind. Frankfurt, 1999).
Der Fordismus war durch eine starke Homogenisierung von Raum und Zeit im nationalstaatlichen Rahmen gekennzeichnet. Vor allem die Beschleunigung von Informationen in globalen Netzwerken führt im Kontext komplexer ökonomischer Zentralisierungs- und Dezentralisierungsprozesse zu neuen räumlichen Hierarchien und Koordinaten. Ökonomische, politische und sozio-kulturelle Sphären differenzieren sich jenseits nationalstaatlicher Zusammenhänge aus. Es entwickeln sich ökonomische Ballungszentren innerhalb und quer zu den nationalstaatlichen Grenzen, die geographischen Unterschiede zwischen "erster" und "dritter" Welt verfließen. Die räumliche Dezentralisierung produktiver und administrativer Tätigkeiten verbindet sich mit einer Zentralisierung von Steuerungs- und Kontrollfunktionen, die sich z.B. in Gestalt der sich zu eigenen Netzwerken verflechtenden "global cities" manifestiert. In je spezifischer Weise führen grenzüberschreitende Kapital - und Migrationsströme zu einer "Entnationalisierung" der raum-zeitlichen Koordinatensystems (Zürn 1998, Albert, 1998, Jessop 1997, Hirsch 2000, Sassen 1996, 1999a).
Hervorgerufen durch eine Polarisierung in Entwicklungsräume, die als Standorte bzw. Räume für großangelegte Investitionstätigkeit in Frage kommen und solchen, die ausgespart bleiben oder an den Rand gedrängt werden, kommt es in den Peripheren Räumen mehr oder weniger zu einer zweiseitigen Fixierung räumlicher Qualitäten. |