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Kultur, Raum, Landschaft. Fachseminar SS 2003 - Elke Mader und Ernst Halbmayer
 
Studierende des Interdisziplinären Lehrgangs für Höhere Lateinamerika Studien
Österreichisches Lateinamerika-Institut
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 up 2.4 Zeit- und Raumkonzeption mehrer bäuerlicher Gemeinschaften der Nordanden - Bernadette Schiefer
 up 2.4.3 Von den Medizinmänner und vom Heilen
 up 2.4.3.3 Die Kraft der Orte

2.4.3.3.1 Die Encantos

Der Punturco im Tal der Rioblanquenos, in den südlicherem Teil des Zentralmassivs, ist einer der wichtigsten encantos in der Region. Encantos sind Geisterorte, in denen die vorspanischen Indianer zur Zeit der Conquista ihre Schätze hineinzauberten. Solche encantos sind im Cocoygebirge alle Schneeberge und besonders der Pulpito de Diablo, ein Felsturm, der aus den Gletschern aufsteigt. Ein urcu ist ein Felsenberg mit Höhlen, die in die Unterwelt führen, in ihnen wohnte juca, der Herr der Wildtiere. Hier am Punturco gewährt er seinen Tieren Schutz. Juca ist der mohan der Berge. Er pflegt eine enge Beziehung zum Wasser, den die urcus sind Wasserberge, dieses Wasser stammt direkt aus der Unterwelt. Vom Urzeitozean kommt auch aller espiritu, guaira oder calor, Lebenskraft. Guaira heißt auch Wind, der eine Schlange ist, wie die Blitze. Mit dem Wetter kann sich der Punturco gegen menschliche Eindringlinge verteidigen. Er wehrt sich mit Blitz, Donner, Stürmen und Regen. Durch Brumme verständigt er sich mit den anderen encantos. Dieses kann zu einem Beben anschwellen. Damit wird er zu einem gefährlichen Platz, zu dem nur Menschen mit einem gefestigten Lebensgeist vordringen können. Besonders schwangere und menstruierende Frauen und Kinder können die geballte Lebenskraft des Berges nicht ertragen, und können am mal viento, der tucutucu oder dem tongorongo erkranken.

Am Fuß des Punturco strömt der Fluss Guachicono durch eine wilde Schlucht, wo die Schlangenfrau, die madre agua lebt. Dort gibt es zwei Wasserfälle, deren Wände Heimstätte für Geister sind. Bei den Wasserfällen Alasana und Auca wurden Kinder gesehen, die sich in Skelette mit sehr langen Zähnen verwandeln können, und die normalerweise die Hochpässe bewachen. Juca kann sich in jedes seiner Tiere verwandeln, aber sein bevorzugtes Tier ist der Bär. Oberhalb der Waldgrenze beginnen die paramos, die Hochregionen, die ebenso von der Kraft der Geister geladen sind. Hier trifft man auf die puma, die Frau des juca. Sie ist von solcher Anziehungskraft, dass ihr kein Mann widerstehen kann. Hat sie ihn in ihre Arme gelockt, wird sie zur puma, die den Geliebten mit einem Biss tötet. Gefahr geht auch von den Seen aus, in denen die Wasser zur Welt kommen. Hier liegen direkte Eingänge zur Unterwelt. Sie alle können wild werden und Nebel erzeugen, um den Wanderer zu verwirren, Wind und Hagel. Diese enorme Kraft verursacht bei Menschen, die nicht gelernt haben, mit dieser Stärke umzugehen, Schwindelanfälle. Heiler baden von Zeit zu Zeit in den Seen, um ihre Kraft zu vermehren.

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