Im Folgenden werden zwei Texte miteinander verglichen. Zum ersten handelt es sich um einen Artikel aus Le Monde diplomatique vom Mai 2002 (Hugo Chavez sauvé par le peuple), zum anderen handelt es sich um einen Text des Landesbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung für Venezuela vom April 2003 (Venezuela – Weiterhin keine Lösung der politischen und sozialen Krise).
Beide Texte vertreten verschiedene Standpunkte, aber darüber hinaus soll an Hand von Zitaten gezeigt werden, wie durch die Formulierung der Eindruck der LeserInnen beeinflusst werden kann.
Anhand der Darstellung von Präsident Chavez ist bereits sehr deutlich zu sehen, wie die beiden Texte unterschiedlichen Weltbildern unterliegen. Dadurch entsteht bereits die Manipulation. Während es in Le monde diplomatique über Chavez heißt: “Commandante” aber auch “König Chavez” und “Caracas (...) erklärt sich vermehrt gegen die neoliberale Globalisierung (..). und im Gegensatz zum hegemonischen Anspruch der USA” und somit ein gewisses Einverständnis mit seiner Politik signalisiert wird, heißt es im Text der Konrad-Adenauer-Stiftung: “Präsident Chavez zelebriert seine Rückkehr an die Macht. (...) Eher zweit- und drittrangige internationale Gäste sollen die regionale Bedeutung der Bolivarianischen Revolution bezeugen” oder an anderer Stelle im Text: “Chavez (hat) kein Konzept für eine moderne Zukunft des Landes” und: “wobei er geschickt Abwesenheit internationaler Aufmerksamkeit ausnutzt.”
Klarer wird die unterschiedliche Sichtweise bei der Darstellung des “Putsches”. In Le monde diplomatique heißt es dazu: “Generalstreik” und sogar: “Im Namen der Demokratie hat die ‚zivile Gesellschaft‘ gerade eine Diktatur eingerichtet”. Die korresponiderende Textstelle der Konrad-Adenauer-Stiftung hingegen spricht von einem “gescheiterten Machtwechsel”.
Aus diesen Zitaten kann hervorgehoben werden, dass beide Texte entgegengesetzte Standpunkte vertreten. Dennoch bemühen sie sich beide um Objektivität. Der Artikel von Le Monde diplomatique gibt seine Informationsquellen an, was beim anderen Text vermisst wird. Somit gibt es für den Leser keine Möglichkeit, sich eine vollständige Meinung zu bilden. Noch dazu vertreten die beiden Medien offensichtlich verschiedene Interessen:
Le Monde diplomatique mit ihrer zwar unabhängigen aber tief politischen Redaktion wird sehr von der Weltanschauung ihres Chefredakteurs, Ignacio Ramonet (Globalisierungsgegner udn Gründer von attac), geprägt.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung mit Ihrem deutschen christlichen-demokratischen Hintergrund ist wiederum dafür bekannt, eher Unternehmenskreise als AktivistInnen zu mit Informationen zu versorgen. Dies wird aber weder in dem einen noch in dem anderen Text erwähnt, so dass die wichtigste Information zum Verständnis der Situation in Venezuela dem Leser enthoben wird. Es sei denn, die LeserInnen wissen von vornherein darüber Bescheid, was wiederum eine gewisse Mündigkeit über die Suche von Informationen verlangt.
Letztlich liegt der Ursprung für Manipulation immer wieder in so kleinen Details verborgen - und wird zudem selten als Manipulation sondern als konkreter Hintergrund verstanden. |