Um die Frage der Desinformation der europaischen Medien zu beantworten, ist es wichtig einen kurzen Blick auf die europaische Mediengeschichte und Geschichte der Nachrichtenagenturen zu werfen.
In Europa sind AFP und Reuters die zwei wichtigsten Nachrichtenagenturen.
1835 gründete Charles Louis Havas, ein konservativer Bankier, die spätere AFP in Paris. Sein Ziel war durch Übersetzung und Bearbeitung dieselbe Nachricht an so viele Kunden wie möglich zu verkaufen.Paul Julius Reuter, auch aus einer Familie von Bankiers, gründete 1851 seine Agentur in London. Er hatte bei Havas gearbeitet und hatte sich zum Ziel gemacht, die Nachrichten schneller als alle anderen zu liefern. Ab 1870 wurde ein Kartell gegründet, in dem festgelegt wurde, welche Einflusssphäre die jeweiligen Agenturen haben sollten. Diese Sphären entsprachen zum Teil den Kolonien. Noch heute sind die Auswirkungen dieser Zeit zu merken, so ist Westafrika immer noch hauptsächlich Einflussgebiet der AFP, während der Nahe Osten vorwiegend die Domäne von Reuters ist – von Al Jazeera abgesehen.
Die Agenturen legen viel Wert auf ihre vermeintliche Unabhängigkeit und Objektivität. Aber Nachrichten können zum Vor- oder Nachteil eines Geschäftes werden, darum liegt es nahe, sie zu beeinflussen.
Nach Ende des Kartells richteten sich die Agenturen mehr und mehr nach den Forderungen des Marktes.
Trotz ihres Bemühens vermitteln die Agenturen subjektive Nachrichten. Dieses Monopol der Nachrichtenvermittlung in Europa verhindert die demokratische Information des Publikums. Denn jede Zeitung bezieht seine Informationen aus annähernd derselben Quelle.
Ein anderer Aspekt dieser Desinformation liegt in den finanziellen Situationen der verschiedenen Medien. Der Drang nach “raschem Material”, das durch die neuen Medien sehr schnell altert, der Wettbewerb und die Gewichtung der Bilder gegenüber Text, führen die europäischen Medien dazu, ihre KorrespondentInnen durch die Information per Nachrichtagenturen zu ersetzen. Die Berichterstattung leidet sehr darunter, denn sie ist weder vielfältig noch objektiv. Ganz besonders ist das in Krisensituationen und in der Kriegsberichterstattung zu bemerken. |