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Internet und Demokratie in Lateinamerika
Cecile Balbous, Daniela Ingruber, Barbara Katschnig, Lisa Ringhofer, Birgit Rys
Interdisziplinärer Lehrgang für Höhere Lateinamerika-Studien
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 up 1 Internetnutzung

1.3 Digital Divide

Die Bezeichnung Digital Divide (auch digitaler Graben, digitale Kluft oder digitale Spaltung genannt) entstand um 1996 in den USA und beschreibt die Tatsache, dass die Gesellschaft in Menschen, welche NICT (Informations- und Kommunikationstechnologien) nutzen und solche, die es nicht tun (können), eingeteilt werden kann.

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien werden vielfach als Allheilmittel bezeichnet, mit dem die Dritte Welt-Länder ihre “Entwicklungsprobleme” lösen könnten. Sieht man sich die folgenden Statistiken (vgl. Afemann, 2002) an, wird klar, dass es sich dabei um einen Trugschluss handelt:

Welches sind die Voraussetzungen für einen Internetanschluss?

1) Telefonleitungen: doch 80% der Weltbevölkerung besitzen kein Telefon und in 49 Ländern gibt es weniger als ein Telefon pro 100 Einwohner.

2) Computer mit Modem: doch 2/3 der ca. ½ Milliarde Computer der Welt befinden sich in G7- Staaten. Während ein/e deutsche/r ArbeitnehmerIn weniger als ein Monatsgehalt für die Anschaffung eines PCs bezahlt, muss ein(e) ArbeitnehmerIn aus Peru bis zu einen Jahresgehalt dafür aufwenden.

3) elektrischer Strom: doch eine von drei Personen auf der Welt muss ohne elektrischen

Strom auskommen. In Lateinamerika waren 1990 82% der städtischen Bevölkerung ans Stromnetz angeschlossen, auf dem Lande aber nur 40%. Daraus resultiert eine gravierende Zentrum-Peripherie Differenz, die zwischen städtischen und ländlichen Regionen existiert.

4) Zugangskosten: Je ärmer ein Land, desto höher die Internetgebühren.Während ein(e) HonduranerIn für jeweils monatlich 20 Stunden Internet jährlich 32% des BIP zahlen muss, bezahlt ein(e) Deutscher hingegen nur 1%. Zudem müssen die Gebühren in Dollar und nicht in der üblichen Landeswährung bezahlt werden.

5) Bildung: Grundlegende Schreib- und Lesekenntnisse sowie Computergrundkenntnisse sind ein weiteres Kriterium, um der Webcommunity angehören zu können. Mit einer durchschnittlichen Alphabetisierungsquote von 88% bei Männern und 85% bei Frauen, besitzt Lateinamerika innerhalb der anderen Regionen der sogenannten Dritten Welt immerhin noch die besseren Ausgangsbedingungen.

Der digitale Graben zwischen dem Norden und dem Süden zeigt sich auch an den folgenden Zahlen: (vgl. Afemann, 2002)

  • 15 % der Reichsten der Welt besitzen:

  • 55% aller festen Telefonanschlüsse

  • 65% der Mobiltelefone

  • und stellen 74% der InternetnutzerInnen

Hauptnutzer des Internet sind die einkommensstarken, gut ausgebildeten und männlichen Menschen aus den Entwicklungsländern. Der typische lateinamerikanische Internetuser ist ebenso jung, männlich, sehr gut ausgebildet und mit hohem Einkommen - dies entspricht bekanntlich nicht dem Bevölkerungsdurchschnitt.

70% aller Texte im Internet sind auf Englisch, obwohl nur ca. ein Zehntel der Weltbevölkerung Englisch spricht. Obwohl fast so viele Menschen Spanisch sprechen wie Englisch, sind nur 2,5% der Internetseiten in dieser Sprache verfasst. Welche Sprache im Netz am häufigsten verwendet wird, ist also ein weiteres Kriterium im Digital Divide.

Es gibt jedoch inzwischen zahöreiche indigene Gruppen, die im Internet vertreten sind. Die Aymara aus Bolivien, die Mapuche aus Chile und die Ashaninka aus Peru.

Philipp Budka unterteilt in seiner Diplomarbeit “Indigene Gruppen und Computernetzwerke: Eine ethnographische Online-Untersuchung” die Websites von indigenen Gruppen in zwei Typen: erstens in Websites, die von Indigenen betrieben und erstellt werden, und zweitens in Seiten, die von nicht-indigenen Personen und Organisationen betreut werden. Diese Trennung wirft die Frage auf, wer denn berechtigt sei, eine indigene Gruppe im World Wide Web zu (re-)präsentieren.

Die Verheißung des Internet - Freiheit, Allwissenheit und grenzenlose Kommunikation für alle - bleiben vorerst Mythen. D.h. dass das Internet die benachteiligten Bevölkerungsteile nicht stärker integriert, sondern im Gegenteil noch mehr marginalisiert.

Der Nord-Süd Konflikt wurde um eine Variante reicher: dem Gegensatz zwischen "vernetzt" und "nicht vernetzt", in anderen Worten ausgedrückt zwischen “informationsarmen” und “informationsreichen” Teilen der Bevölkerung bzw. Regionen und Ländern.

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