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Internet und Demokratie in Lateinamerika
Cecile Balbous, Daniela Ingruber, Barbara Katschnig, Lisa Ringhofer, Birgit Rys
Interdisziplinärer Lehrgang für Höhere Lateinamerika-Studien
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 up 1 Internetnutzung

1.1 Internet in Lateinamerika

Der Bevölkerungsanteil mit Zugang zum Internet ist in den Industrienationen relativ hoch: über 50% in den USA, 40% in Europa, in den Entwicklungsländern aber extrem niedrig. In Lateinamerika beträgt der prozentuelle Anteil 6,4%.

Brasilien ist die am stärksten vernetzte Nation Lateinamerikas . Es folgen an zweiter und dritter Stelle Argentinien und Mexiko. Schlusslichter bilden Bolivien und Nicaragua.

Quelle: www.nua.com

In Lateinamerika gingen zuerst die Wissenschaftsorganisationen und Universitäten online; Politik und Wirtschaft folgten erst später. Nach wie vor gilt Lateinamerika bei den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (NICT) als Zukunftsmarkt. Die Hindernisse für den e-commerce sind jedoch die niedrige PC-Verbreitung, die geringe Kaufkraft bei großen Teilen der Bevölkerung, die hohen Zugangskosten und teilweise auch die fehlende (Aus-)Bildung, um Computer zu bedienen.

Die NICT werden aber gerade in Lateinamerika als nützliches Werkzeug für politisch und sozial engagierte Menschen und Organisationen zur Vernetzung und zur Vorbereitung von politischen Aktionen verwendet.

Nichtregierungsorganisationen – hauptsächlich im Umweltbereich – haben durch den blitzschnellen Informationsaustausch inzwischen eine große Schlagkraft entwickelt. Ein Beispiel dafür ist der Internetprotest der kolumbianischen indigenen Gruppe der U´wa gegen den US-amerikanischen Ölkonzern Oxy. Auf dem Land der Uwa befinden sich die ergiebigsten Ölquellen Kolumbiens. Die etwa 5.000 Angehörigen der U’wa hatten sogar mit kollektiver Selbsttötung gedroht, sollte sich Oxy nicht von ihrem Territorium zurückziehen. Letzteres konnten sie zumindest teilweise erreichen.

Der seit 1989 in Deutschland lebende peruanische Schriftsteller und Musiker Julio Mendívil wurde 1999 in seinem Heimatland zu Unrecht wegen vermeintlich krimineller Tätigkeiten verhaftet und kam erst nach wochenlangen Protesten, die über das Netz organisiert worden waren, frei: Mendívil nahm im August 1999 an einem Musiker-Kongress in Argentinien teil und wollte vor seiner Rückkehr nach Deutschland seinen Bruder in Peru besuchen. An der Grenze zwischen Chile und Peru wurde Mendívil wegen Verdacht auf Landesverrat festgenommen. Nach Auskünften der peruanischen Regierung wurde 1998 ein Mitglied des Sendero Luminoso verhaftet, der aussagte, Julio Mendívils sei ebenso Mitglied der umstrittenenen Partei.

Das APC-Netzwerk (Association for Progressive Communication ) umfasste 1999 bereits an die 60 miteinander verbundene Einzelnetzwerke aus 133 Ländern. Über dieses Netzwerk organisieren sich heute an die 15.000 NGOs.

FUNREDES (Fundación Redes y Desarrollo) gehört seit 1988 zu einer der zentralen Netzwerkorganisationen. Sie liefert inhaltliche und technische Hilfestellungen für den Vernetzungsprozess.

“The art of estimating how many are online throughout the world is an inexact one at best. Surveys abound, using all sorts of measurement parameters. However, from observing many of the published surveys over the last two years, here is an ”educated guess” as to how many are online worldwide as of September 2002.” (vgl. www.nua.com)

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