Franz Boas, der Begründer der Kulturanthropologie in den USA, entwickelte die Forschungsrichtung des historischen Partikularismus in der Ethnologie, deren theoretische Ausrichtung auch viele seiner Studien zur Mythologie (indianischer Völker Nordamerikas) prägte.
Im Gegensatz zu evolutionistischen Ansätzen und weltumspannenden Verbreitungsstudien, wie sie zu seiner Zeit Mode waren, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die spezifischen historischen und kulturellen Gegebenheiten einer Region (Kulturareale). Er betonte die Vielfalt von lokalen Historien und kulturellen Gefügen und forderte eine detaillierte ethnographische und historische Untersuchung einzelner Regionen. Solche Studien können dann auch die Basis für größere vergleichende Analysen darstellen (vgl. Harris 1968: 250-289).
In diesem Sinn beschäftigte sich Boas auch mit Mythen, ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Wie viele andere Forscher (z.B. Paul Ehrenreich und Claude Lévi-Strauss) sucht er nach einem Modell, um die erstaunlichen Ähnlichkeiten der indianischen Mythologie Nord- (und Südamerikas) zu erklären. Anhand der Mythologie will er aber auch generelle Charakteristika der Verbreitung von Kulturelementen untersuchen. Ferner erstellte er umfangreiche Mythensammlungen und setzte sich mit Fragen der Typologie der indianischen Erzählungen auseinander. Er formuliert in diesem Zusammenhang mehrere Thesen und Methoden. |