Diese Forschungsrichtung sucht nach Ähnlichkeiten zwischen Mythen verschiedener geographischer Provenienz, und zwar mit dem Ziel, ein gemeinsames Verbreitungsgebiet einzugrenzen (vgl. Oppitz 1993: 181-183). Sie wurde ab 1870 vor allem in Finnland entwickelt, wobei dem Märchenforscher Antti Aarne besonderer Stellenwert in Bezug auf die Entwicklung einer motiv-vergleichenden Methode sowie die Klassifikation von Erzählungen zukommt (vgl. Virtanen 1997; Aarne 1910, 1913; Aarne und Thompson 1961).
Später erfuhr die historisch-geographische Schule in den USA durch den Ethnologen Franz Boas und seine SchülerInnen sowie durch den Vertreter der folklore studies Stith Tompson spezifische Ausprägungen. |