Motiv-vergleichende Untersuchungen standen oft in Zusammenhang mit Verbreitungsstudien, die u.a. dazu dienten, größere kulturelle Gefüge (Kulturkreise, Kulturareale) zu definieren. Besonderen Stellenwert kommt dabei der „historisch-geographischen Methode“ zu, die ab 1870 in Finnland entwickelt wurde (vgl. Virtanen 1997).
Im Rahmen der motiv-vergleichenden Studien entstanden mehrere Motiv-Indizes, die den Vergleich erleichtern und die Bezeichnung der Motive standardisieren sollen. Dazu gehört das „Verzeichnis von Märchentypen“ von Antti Aarne, das lange die Basis für motiv-vergleichende Studien von traditionellen Erzählungen (folk-literature) bildete (vgl. Aarne 1913, Aarne und Thompson 1961). Darauf aufbauend gab Stith Thompson 1955 das sechsbändige Werk „Motiv-Index of Folk-Literature“ heraus: Dort werden Motive aus Erzähltraditionen in Eurasien systematisch gelistet und klassifiziert, Thompson entwickelt dabei auch eine Hierarchie von Kategorien und Subkategorien, denen einzelne Motive zugerechnet werden (Thompson 1955).
Die motiv-vergleichende Methode sowie die Motiv-Indizes wurden aus verschiedenen Perspektiven kritisiert: Ein Aspekt dieser Diskussionen war die Frage nach der Kategorisierung von Motiven sowie die genaue Definition des Begriffs im Gegensatz zu „Thema“ oder „Erzählungstyp“. Die Beschäftigung mit den Motiven wurde darüber hinaus von vielen ForscherInnen generell als unzureichend für die Textanalyse von Mythen und traditionellen Erzählungen erachtet und vielfach durch die strukturale Textanalyse (Propp 1968, Leví- Strauss 1967) abgelöst.
Wichtige Forschungsansätze in diesem Themenfeld waren und sind: |