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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 11 Das Eigene und das Fremde im Mythos
 up 11.1 Geschichten vom Anderssein
 up 11.1.4 Das Bild der Wilden und der koloniale Blick
 up 11.1.4.3 Der Edle Wilde
 up 11.1.4.3.3 "Grüne Wilde" in den Medien

11.1.4.3.3.3 Mythen, "mediascapes" und die Ordnung der Dinge

Mythos, ideoscapes und mediascapes weisen viele Parallelen auf: Mythen sind - wie Medien - Ausdrucksformen und Vermittler von Bedeutungsgefügen, die das Welt- und Menschenbild einer Gesellschaft zum Ausdruck bringen. Ferner beeinflussen sie das Verständnis des Anderen, konstruieren ideelle Landschaften und imaginative Welten.

Der Fall Amerika zeigt das besonders deutlich. Er bildet ein Paradebeispiel für den Stellenwert von kulturellen Bedeutungsgefügen und die Kontinuität des Mythischen bei der ideellen, sozialen und politischen Konstruktion eines geographischen Raums. Das Bild Amerikas und der Indianer aus der Perspektive der Eroberer und Kolonisatoren kann als „Ordnung der Dinge“ im Sinne Foucaults betrachtet werden, die fundamentale Codes und Wahrnehmungsschemata einer Gesellschaft zum Ausdruck bringt und damit auch die Hierarchie der Praktiken beherrscht (Foucault 1966/1971). Ähnliche Konzepte gestalteten auch die Vorstellungen der indianischen Gemeinschaften von den „Weißen“ oder ihre Konzeptionen vom Fremden in bezug auf andere indianische Gesellschaften oder nicht-menschlichen Wesen.Das vielschichtige Bild des Indio, seine Entstehung und seine Relevanz für politische Prozesse wurde von vielen AutorInnen behandelt, deren Analysen auch in diese Ausführungen einfließen (vgl. u.a. Todorow 1982, Kohl 1982, Mires 1992, Amodio 1993).

Die Vermittlung von Bildern und Ideen ist heute sicher schneller und intensiver als in anderen historischen Perioden, doch ist diese Veränderung meiner Ansicht nach eher quantitativ als qualitativ. Mythen und Imagination verfügen immer über lokale und transkulturelle Dimensionen. Sie sind lokal im Sinne ihrer Funktion als Teil des Weltbilds sowie der Werte und Normen einer spezifischen Gesellschaft. Sie sind aber gleichzeitig ein transkulturelles und über territoriales Phänomen: Zum einen werden sie über kulturelle Grenzen hinweg tradiert und verbreitet, zum anderen bilden sie Codes für das Verständnis des Fremden. So bildet die Arbeit der Imagination seit 500 Jahren eine wichtige Ebene der Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika. Die außergewöhnliche Geographie und die mythischen Geschichten bilden dabei einen transkulturellen Diskurs über einen Raum und seine Bewohner, in dem indigene und europäische Symbolwelten aufeinander treffen, sich verflechten, aufeinander einwirken und eine Vielfalt von Bildern über die Anderen generieren.

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