„Innahezu zwei Jahrzehnten, während derer Lévi-Strauss seine Aufmerksamkeit bevorzugterweise den Mythen schenkte, ist ein Opus entstanden, das in seinem Umfang nur noch schwer zu überschauen ist. Zahlreiche kleinere und größere Arbeiten, sowie 4 voluminöse Bände gelten ausschließlich dem Thema Mythologie. Die gigantischen Mythologiques nehmen dabei einen fast hermetischen Platz ein, nicht jedoch in dem Sinne, dass sie dem Uneingeweihten den Zutritt absolut verweigerten. Das Einlesen in die Mythologiques ist verhältnismäßig einfach, begünstigt durch die Attraktivität der erzählten Geschichten. Die Schwierigkeit liegt anderswo. Man kommt, wenn man so sagen darf, aus den Bänden nicht mehr heraus.
Das ist ein Resultat des Entwurfs. Die rund 2000 Seiten sind in einer Weise konzipiert, dass sie eine punktuelle Visite verbieten. Keiner der 800 vorgestellten Mythen nämlich steht für sich. Jeder ist der Beweis und das Mittel der Erhellung eines anderen oder mehrerer anderer. Sich darüber hinwegzusetzen hieße, den Grundgedanken der mächtigen Komposition negieren, demzufolge die Mythen der beiden Amerikas ein einziges, zusammenhängendes Netz von Transformationen bilden. Mit anderen Worten: die Erfahrung, die die Mythologiques vermitteln - die verstrickende Reise durch ein riesiges Gewebe von Zusammenhängen - läßt sich nur durchs Lesen nachvollziehen.“ (Oppitz 1993: 204) |