Das Verhältnis zwischen dem Eigenen und dem Fremden wird in Mythen auf vielfältige Weise behandelt. Viele Arbeiten zu dieser Thematik bauen auf der These von Claude Lévi-Strauss auf, dass Menschen - konfrontiert mit einer vielfältigen und kontinuierlichen Wirklichkeit - diese gedanklich in kleinere Einheiten zergliedern, diese Versatzstücke wiederum benennen und ihnen einen bestimmter Sinn verleihen. Solche Klassifikationen, die u.a. die Konzeption von Innen und Außen, vom Wir und von den Anderen betreffen, bilden den gedanklichen Raum, in dem sich Erfahrungen ereignen. Das Subjekt der Erkenntnis ist dabei immer in bestimmte Bedeutungssysteme und Sprachen, in soziale, kulturelle, historische und politische Kontexte eingebettet und wird von ihnen wesentlich beeinflusst. Beschreibungen von Wirklichkeiten sind in diesem Sinne als subjektive und kontextrelationale Konstruktionen zu verstehen, die innerhalb bestimmter Kontexte generiert werden (vgl. Varela, Thompson und Rosch 1995).
Wichtige Fragestellungen in diesem Zusammenhang sind:
- Wie definieren Mythen bzw. ihren ErzählerInnen das Verhältnis von Mensch (Gesellschaft) und Natur zum Übernatürlichem und welche Konzepte über die verschiedenen Wesen der Welt artikulieren sie?
- Wie wird Kosmos, Raum und Landschaft in der Mythologie dargestellt?
- Mit welchen Wesen teilen sich die Menschen bzw. die Angehörigen einer Gruppe den Kosmos oder ihre Lebenswelt? Wie sind diese Wesen beschaffen (sind sie auch „Menschen“ oder sind sie Ungeheuer, Monster, Geister etc.) Welche Beziehungen haben die Menschen bzw. Angehörigen einer Gruppe zu ihnen?
- Wie werden die Beziehungen zum Anderen in der eigenen Gesellschaft (z.B. zum anderen Geschlecht, zu anderen Verwandtschaftsgruppen, anderen sozialen Schichten und Klassen etc.) in den Mythen dargestellt?
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