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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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12 Mythos, Veränderung, Geschichte

Mythen erzählen zwar oft von Ereignissen, die sich in der Vergangenheit zugetragen haben, sind jedoch immer ein lebendiger Bestandteil der Gegenwart. Insofern sind Mythen (wie alle Gegebenheiten) nicht statisch, sondern permanenten Veränderungen unterworfen. Die ethnologische Mythenforschung analysiert diese Prozesse aus mehreren Perspektiven, die jeweils eine bestimmte Dimension des Wandels in den Vordergrund stellen:

  • Mythen stehen auf mehreren Ebenen mit historischen Prozessen in Beziehung. Sie werden von einigen Autoren als Früh- oder Vorform von Geschichte betrachtet (Lévi-Strauss 1963) bzw. als eine Betrachtungsweise der Vergangenheit, die - im Gegensatz zur Historie - fiktiv ist.
  • Andere AutorInnen betrachten das Naheverhältnis von Mythos und Geschichte als zwei einander ergänzende Darstellungsformen des Vergangenen, die unterschiedliche Aspekte von Wirklichkeit reflektieren (Hill 1988).
  • Mythen sind weiters auf verschiedene Weise aktiv in historische Prozesse eingebunden und gestalten diese mit: Als Teile eines (kulturspezifischen) Weltbilds informieren und strukturieren sie u.a. Selbst- und Fremdbilder und (politisches) Handeln (Sahlins 1985). Sie nehmen daher Einfluß auf Diskurse und Handlungen in bestimmten historischen Kontexten (z.B. im Rahmen der Conquista und der Kolonisation (Kohl 1982, Mader 2003).
  • Mythen sind - wie Kultur - nicht statisch, sondern permanent Veränderungsprozessen unterworfen: Ihre Motive bzw. andere Inhaltselemente durchlaufen verschiedene Prozesse des Wandels und der Hybridisierung (Firth 1984, Gerhards 1981).
  • Mythen reflektieren und kommentieren auf verschiedene Weise Kulturkontakte: Sie thematisieren u.a. Elemente von fremden Kulturen, die im Zuge von "mythischen Aneignungsprozessen" oft in die mythische Geschichte einer Gruppe integriert werden.
  • Mythen verändern sich wie alle Aspekte einer Kultur nicht nur durch Kommunikation und Interaktion mit Anderen, sondern auch auf Grund der Kreativität ihrer ErzählerInnen, die sie immer wieder neu gestalten (Münzel 1992).
  • Der Inhalt von Mythen und ihre Interpretation verändert sich Hand in Hand mit kulturellem und sozialem Wandel und wird immer wieder neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst.

 down 12.1 Mythos und Historie
 down 12.2 Die "Plastizität" von Mythen
 down 12.3 Kontaktmythologie
 down 12.4 Die Kreativität von Mythen
 down 12.5 Bibliographie
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