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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 4 Der Lernprozess: Die Erforschung der Mythen in indianischen Kulturen
 up 4.1 Phasen der Forschungsgeschichte
 up 4.1.1 Missionare und Chronisten

4.1.1.4 Kommentar: Trickster

Guahayona ist eine zwielichtige und vieldeutige Gestalt. Er ist ein wichtiger Akteur im mythischen Geschehen und der Held einer Reihe von Geschichten, die vom Ursprung der Taino erzählen. Seine Handlungen sind äußerst ambivalent. Einerseits setzt er große Taten: er holt die Menschen aus den Höhlen und bringt sie in neue Lebensgebiete, später besiegt er auch viele Feinde der Taino, seine Erfolge erringt er durch trickreiche Aktionen. Andererseits schafft er völliges Chaos: Er trennt Männer, Frauen und Kinder und stört somit das normale gesellschaftliche Leben empfindlich. Er nimmt auch anderen Männern die Frauen weg und tötet bei diesem Unterfangen seinen Schwager, den er kurzerhand im Meer über Bord wirft. Seine Handlungen sind aber nicht nur destruktiv, sondern es erwachsen aus ihnen auch Veränderungen und Verwandlungen, aus denen neue Verhältnisse und neue Wesen (z.B. die Frösche) entstehen.

Guahayona teilt diese Eigenschaften und Handlungsweisen mit vielen weiteren Trickster Figuren: Der Trickster ist eine (meist männliche) Figur, die weltweit in vielen Mythologien und Erzähltraditionen auftritt und durch eine Reihe von typischen Eigenschaften und Handlungsweisen charakterisiert wird. Er ist eine schillernde Persönlichkeit, die geschmeidig die Grenzen zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse, Ernst und Clownerie, Erfolg und Versagen überschreitet. In mancher Hinsicht verkörpert er „die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (Goethe: Faust). In vielen indianischen Mythologien gehört er zu den Kulturheroen der mythischen Zeit, die als Weltgestalter auf der Erde und unter den Menschen lebten.

Oft wird der Trickster in gefährliche Abenteuer verwickelt, die er durch seine Schläue und seine Tricks besteht. Er versinnbildlicht das Chaos in seiner negativen wie positiven Dimension, gerät immer wieder in Konflikte mit jenen mythologischen Gestalten, welche die gesellschaftliche und kosmische Ordnung verkörpern, verfügt aber auch selbst über große schöpferische Kraft, die Gutes wie Böses bewirken kann und die Welt in Bewegung versetzt. Er gilt oft als Herr der Kreuzwege, Herr über Leben und Tod, aber auch als Clown, Scharlatan oder als Verführer mit einer besonders starken erotischen Ausstrahlung.

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