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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 4 Der Lernprozess: Die Erforschung der Mythen in indianischen Kulturen
 up 4.1 Phasen der Forschungsgeschichte
 up 4.1.1 Missionare und Chronisten

4.1.1.3 Kommentar: Verwandlungen

In den Mythen der Taino werden in verschiedenen Episoden und Handlungskontexten Menschen in Tiere verwandelt. Diese Verwandlungen werden in einigen Fällen durch ein Fehlverhalten der Akteure selbst ausgelöst (z.B. der Wächter, der zu spät auf seinen Posten kommt - er ist zu beweglich - und von der Sonne in einen Stein verwandelt wird - er muss nun völlig unbeweglich bleiben).

In anderen Fällen werden die Transformationen durch die Handlungen anderer Personen ausgelöst: So kommt der Trickster-Held(Guahayona) seinem Versprechen nicht nach, die Kinder zu ihren Müttern auf die Insel zu bringen, sondern läßt sie hungrig an einem Bach zurück. Sie schreien hungrig (wie Frösche am Bach) und verwandeln sich in diese Tiere, deren Eigenschaften (bzw. einer ihrer Eigenschaften) sie schon in menschlicher Gestalt angenommen haben.

Zeichnung: Die Froschfrau

Aus einer Vielzahl solcher Transformationen formt sich in der mythischen Zeit die heutige Welt mit ihren Wesen, die im indianischen Weltbild auch in der Gegenwart sehr eng miteinander verbunden sind.

Das Konzept der Transformationen repräsentiert ein Grundprinzip indianischer Weltbilder und kommt in der Mythologie, dem Schamanismus und auch dem Konzept der Person sowie im Verhältnis Mensch (Kultur) und Natur zum Ausdruck. Es bezieht sich auch auf die Entstehung der Welt und den Ursprung der Dinge: Von einem bestehenden Kosmos ausgehend entsteht die Welt der Gegenwart im Rahmen einer Reihe von Verwandlungen. Im Zuge der mythischen Metamorphosen vergrößern sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Wesen: Diese betreffen sowohl ihre Gestalt, ihren Lebenswelt wie die Möglichkeiten der Kommunikation untereinander.

Den Wesen der mythischen Zeit kommen im Prozess der Transformationen unterschiedliche Rollen zu, die meist mit richtigem oder falschem Handeln in Verbindung stehen. Dummheit, Ungehorsam oder ein Bruch der ethischen und sozialen Normen stehen oft im Mittelpunkt des Geschehens und bewirken Veränderungen. Diese Prozesse führen zur Genese von Zuständen und Formen, von Lebensbedingungen und natürlichen Phänomenen, die Geschichten sind auf diese Weise in die Landschaft, in die Fauna und Flora aber auch in die menschlichen Gemeinschaften, in Alltag und Ritual eingeschrieben.

Das Konzept der Transformationen kommt auch in anderen Mythen zum Ausdruck, vgl. z.B.

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