Die dritte Gruppe von Erzählungen (liliu) ordnet Malinowski dem Typus „Mythen“ zu. Liliu stehen in enger Verbindung mit rituellem Handeln. So werden z.B. einzelne Abschnitte bei der Vorbereitung großer Feste von Mythen begleitet, deren Inhalt auch die Zeremonie begründet.
In den Mythen kommt am deutlichsten die Funktion der Erzählungen als Charta für das religiöse und soziale Leben zum Ausdruck, die im Mittelpunkt der soziologischen Theorie des Mythos von Malinowski steht.
"Ich behaupte, dass es eine spezielle Art von Geschichten gibt, die für heilig gehalten werden, die verkörpert werden im Ritual, in den Sitten und der sozialen Ordnung und einen wesentlichen und aktiven Teil primitiver Kultur bilden. Diese Geschichten leben nicht durch müßiges Interesse, nicht als fiktive oder auch wahre Geschichten; vielmehr bedeuten sie für den Eingeborenen die Darstellung einer uralten, größeren und relevanteren Wirklichkeit, durch die das gegenwärtige Leben, die Schicksale und Aktivitäten der Menschheit bestimmt werden und deren Kenntnis dem Menschen das Motiv für rituelle und moralische wie auch Hinweise für ihre Ausführung liefert." (Malinowski 1982/1948 ) |