Ein weiterer Erzählungstypus ist libwogwo, darunter versteht man Geschichten, die als Nacherzählung historischer Ereignisse gelten und von Malinowski dem Typus „Sage“ zugeordnet werden.
Sie handeln meist von großen Seefahrten, berichten persönliche Erinnerungen und erzählen Geschichten von besonderen Ereignissen und Erlebnissen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Bei diesen Erzählungen steht die soziale Funktion im Vordergrund: großartige und bedeutsame Heldentaten der Vorfahren werden aufgezählt und tragen zum Ansehen des Einzelnen, seiner Nachkommen oder einer ganzen Gemeinschaft bei. Sie werden von jenen Personen lebendig erhalten, deren Ahnen sie glorifizieren, die Zuhörer sollen sich die Taten der Ahnen zum Vorbild nehmen.
Malinowski spricht in diesem Zusammenhang vom soziologischen Charakter der Erzählung: die Einstellung der Menschen zu der Geschichte gibt dem Text seine Aussagekraft und seinen Sinn. Libwogwo werden nicht wie kukwanebu („Märchen“) zur Unterhaltung erzählt, sondern machen ernsthafte Aussagen und befriedigen soziale Ambitionen.
"Der Mythos kommt ins Spiel, wenn Ritus, Zeremonie oder eine soziale oder moralische Regel Rechtfertigung verlangt, Gewähr für ihr Alter, ihre Realität und ihre Heiligkeit."(Malinowski 1982/1948:89) |