Núnkui übergibt der Menschenfrau ihre Tochter, die über ihre Macht verfügt: Ihre Worte lassen Nahrung entstehen (5). Mit dieser Gabe überträgt Núnkui der Shuar ihre Kapazitäten, der "Besitz" der Núnkui-Tochter macht die Frau zu einer Herrin des Gedeihens, die mühelos einen Überfluß an Nahrung produziert (6). Die Gabe stellt eine Machtübertragung dar und hebt die Differenz zwischen den beiden Frauen auf, die Shuar-Frau ist jetzt wie Núnkui, sie verfügt über dieselben Kräfte und Fähigkeiten.
Die Gabe ist mit bestimmten Bedingungen verbunden, sie muß richtig behandelt werden, will man ihre Vorteile genießen. Diese Dynamik, die auch in der Mythe von Kolibri Jempe und Rabe Yakakúa bei der Rodung zum Ausdruck kommt, prägt den Handlungsablauf im zweiten Teil der Mythe. So trägt Núnkui der Shuar auf, ihre Tochter gut zu behüten (4,7).
Die Bedingung wird nicht erfüllt, die Shuar-Frau läßt das Mädchen im Haus zurück, anstatt sie - wie eine umsichtige Mutter ein Kleinkind - immer bei sich zu tragen (8). Sie setzt sie dem Unfug der anderen Kinder aus, die das Mädchen ärgern und mißhandeln. Statt lebenserhaltender Nahrung entstehen lebensbedrohliche Schlangen (napi) und Ungeheuer (iwianch ) (9), das Núnkui-Mädchen verläßt die Frau (10) und entzieht ihr damit die Macht über die Nahrung (11).
Im Mittelpunkt des mythischen Geschehens steht die Interaktion zwischen Machtgeber und Machtnehmer, die eine Grundlage des rituellen Handelns in dieser Gesellschaft bildet. Sie bildet auch eine wichtige Komponente der sozialen Ordnung im Rahmen der Interaktion zwischen Alt und Jung, zwischen Wissenden und Unwissenden. |