Während der Conquista und der Kolonialzeit beschäftigten sich in erster Linie Missionare und Chronisten mit der Mythologie der Unterworfenen. Es ist eine Phase der Zerstörung von Mythen aber auch die Zeit der ersten Aufzeichnungen indianischer Erzähltraditionen durch Europäer.
Im 19.Jahrhundert beginnt die naturwissenschaftliche und ethnologische Forschung in Lateinamerika, im Rahmen der ersten großen Feldforschungen bei den "Naturvölkern" werden auch Mythen aufgezeichnet und entsprechend der theoretischen Perspektiven der Zeit wissenschaftlich bearbeitet.
Neben dem Aufzeichnen von Erzähltraditionen - ein Prozess, der bis heute anhält und keineswegs abgeschlossen ist - beginnt man um 1910 mit den ersten vergleichenden Studien der indianischen Mythen, wobei in den folgenden Jahrzehnten die Ansätze der Naturmythologen und motiv-vergleichende Studien großen Raum einnehmen.
In Zusammenhang mit dem Konzept der Kulturareale und der Entstehung des mehrbändigen Handbook of South American Indians (Steward 1948) wächst das Interesse an der Verbreitung von bestimmten Kulturmerkmalen (u.a. Mythen und ihre Motive), das neue Impulse für motiv-vergleichende Forschungen und das erstellen von „mythologischen Regionen“ setzt.
Die größte Bandbreite von theoretischen Betrachtungsweisen und Methoden der Mythenanalyse zeigt die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum entstehen die meisten ethnologischen Arbeiten über Lateinamerika, was auch in einer intensiven Auseinandersetzung mit der Mythologie, z.B. durch Claude Lévi-Strauss, zum Ausdruck kommt
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