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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 11 Das Eigene und das Fremde im Mythos
 up 11.2 Grenzen und Grenzüberschreitungen
 up 11.2.1 Beispiel: Der Shuar und die Wildschweine

11.2.1.12 Die Moral von der Geschichte

Wie geht nun die Geschichte für den mythischen Helden aus? Die zweite Hälfte der Mythe beschäftigt sich mit dem Prozess der Trennung jener Beziehungen, die im ersten Teil etabliert wurden. Die Trennung wird in mehreren Etappen vollzogen und schließlich mit dem Töten der Anderen abgeschlossen, trotzdem bekommt der Held nicht ungebrochen sein frühere Identität als Wildschweinjäger zurück. Am Ende dieses Prozesses ist er weder ganz der glückliche Heimkehrer, der einem schrecklichen Schicksal entronnen ist, noch konnte er seine andere Identität (als Wildschwein) längerfristig leben, da sie in zu starkem Widerspruch zu den Interessen seiner Gemeinschaft (an Jagdwild/Nahrung) stand. Er verbleibt in einer Art Schwebezustand: Zwar gewöhnt er sich wieder an das menschliche Leben, doch ist er auch weiterhin den Anderen verbunden und betrachtet die Wildschweine nicht als Nahrung sondern als Verwandte, deren Namen er kennt. Und mit einer gewissen hilflosen Trauer sieht er zu, wie einer nach dem anderen getötet wird, auch sein „Schwiegervater“ und seine „Frau“.

Der komplexe mythische Diskurs könnte noch nach vielen Richtungen hin analysiert werden. Aus der vorliegenden Bearbeitung ergeben sich doch zwei wichtige Bedeutungsbündel, die sowohl mit anderen mythischen Diskursen als auch mit der Lebenspraxis vernetzt sind. Dabei handelt es zum einen um soziale Grenzen zwischen dem „Wir“ und dem Anderen und die ambivalente Position einer Person inmitten konfliktiver Identitäten, Zugehörigkeiten und Allianzen, für die es keine eindeutigen Lösungen gibt. Zum anderen geht es um die Verflechtungen von Nahrung und gender, insbesondere in bezug auf die Geschlechterrollen und den Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die bei den Shuar auch in anderen literarischen Formen zum Ausdruck kommt:

Mein Mann

Mein geliebter Mann

Er sei

Ein zahmes Wildschwein

Das leise quiekt, damit ich ihm Essen gebe

Das zärtlich grunzt

In Gedanken an mich versunken

Nur Liebe und Begehren in seinen Gedanken

Grunzt er zufrieden.

Magisches Lied (anent), um die Liebe des Ehemanns zu festigen.

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