Die Verflechtungen vom Vertrauten und Fremden, von Nähe und Distanz werden in diesem Mythenabschnitt in bezug auf mehrere Lebensbereiche angesprochen. Die Erzählung bzw. der Erzähler wechselt immer wieder die Perspektive (zwischen Mensch und Wildschwein), um das Spannungsfeld zwischen dem „Ich“ und dem Anderen zu verdeutlichen.
Das Thema Nahrung kommt in diesem Kontext wieder zur Sprache - er lernte, wie sie sich ernährten, was sie aßen. Die Aussage beinhaltet Anklänge die traditionellen Rituale des „Essen-Lernens“ zu Beginn eines neuen Lebensabschnitts, die auch mit jung verheirateten Paaren vollzogen werden. In diesen Ritualen wird (meist nach einer Periode des Fastens) Nahrung in einen neuen Lebenskontext integriert und rituell von gefährlich (unzuträglich) zu ungefährlich (zuträglich) transformiert. Diese Unterscheidung wird in der Mythe durch die Akkumulation von Differenzen, zu denen auch jene zwischen Mensch und Tier zählt, vertieft: Die neue Sichtweise des mythischen Shuar und seine neue Gruppenzugehörigkeit machen (für Menschen) ekelerregende ungenießbare Dinge zu köstlicher genießbarer Nahrung.
Auch Sexualität und soziale Nähe sind Teil des mythischen Diskurses in diesem Abschnitt: Dabei werden die Beziehungen des Mannes zu seiner Ehefrau und zu seinem Schwiegervater in Zusammenhang gebracht werden, die beide intensive, wenngleich verschiedene Formen von Nähe darstellen. In der anzüglichen Episode um den „leuchtenden Anus“ nähert sich der Held in der Nacht seinem Schwiegervater, um sich an seinem Feuer zu wärmen, wobei soziale und körperliche Nähe durcheinander geraten. Der Schwiegervater muss den jungen Tölpel auf den richtigen Ort der Sexualität - die Ehefrau - hinweisen, die er auffordert, ihrem Mann alle Wünsche zu erfüllen. Eine scherzhafte Passage, die aber auch als Metapher für die Macht der Brautgeber verstanden werden kann, die den Zugang der jungen Männer zu richtiger, legitimer Sexualität kontrollieren. Trotz aller anfänglicher Schwierigkeiten lebt sich der Mann gut in seinen neuen Familienverhältnissen ein, er gibt seine alte Identität auf und nimmt eine neue an. Die Differenz zwischen ihm und den Wildschweinleuten wird immer kleiner, die soziale Transformation wird im mythischen Diskurs auf der Ebene Mensch/ Tier verdichtet: Der Jäger verwandelt sich langsam in ein Wildschwein, er nimmt die Gestalt seiner Beute an, zu der er sexuelle und soziale, also zwischenmenschliche Beziehungen unterhält.
Die erste Hälfte der Mythe erzählt also den Prozess der Annäherung an die Anderen, wobei verschiedene Ebenen von Verbindung und Verschmelzung angesprochen werden. Die engen Verflechtungen stehen jedoch in Widerspruch zu den „normalen“ Verhältnissen zwischen den beiden Gruppen (Menschen/Wildschweine), die sich in einem konstanten Kriegszustand befinden. Sich in die Wildschweinfrau zu verlieben anstatt sie zu töten, kann kein gutes Ende nehmen. An dieser Stelle wechselt die Handlung kurzfristig den Schauplatz und die Perspektive, um die Widersprüche zu verdeutlichen. Die Mythe schildert die Situation in der Herkunftsgruppe des Jägers. Man bricht gerade in den Wald auf und will zwei Aufgaben erfüllen, den Vermissten finden und Wildschweine jagen. Die „normale“, die menschliche Wildschweinjagd, das Töten der Anderen und seine Implikationen bilden das Kernstück der zweiten Hälfte des mythischen Diskurses. |