Weiters kommt in der Mythe auch die „perspektivische Qualität“ des Denkens zum Ausdruck, das vielen indianischen Kulturen zu eigen ist (Lima 1999, Århem 1996). Viveiros de Castro fasste diese indigene Theorie der unterschiedlichen Betrachtungsweisen folgendermaßen zusammen: Die Art und Weise, in welcher die Menschen andere Wesen der Welt, etwa Tiere, Geister, Tote oder Götter wahrnehmen, unterscheidet sich stark von jener Art und Weise, wie solche Wesen sich selbst, die Menschen oder andere Kategorien von Subjekten betrachten.
Während Menschen normalerweise Menschen als Menschen, Tiere als Tiere und Geiser als Geister sehen (falls sie Geister sehen), so betrachten Geister die Menschen oft als Tiere und somit als Beute, die Tiere wiederum sehen die Menschen als Geister oder als andere Tiere. Sich selbst betrachten Tiere oder Geister meist als Menschen: Sie verstehen sich als anthropomorphe Wesen, die in eigenen Häusern leben und ihre spezifische Lebensweise oder Kultur haben. Ihre Nahrung nehmen sie als menschliche Nahrung war. Die verschiedenen Wesen unterliegen somit wechselseitig unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung und der Kategorisierung (Viveiros de Castro 1998:470). |