Der mythische Jäger verlässt also seine Gemeinschaft und geht alleine in den Wald, als er Wildschweinspuren entdeckt, folgt er ihnen sofort. Sein Ziel ist es, Nahrung (yurumak - wörtlich: das Essbare) zu finden und Wildschweinspuren sind ein vielversprechendes Zeichen, dass er sich dem richtigen Weg befindet. Nahrung wird aber bei den Shuar und Achuar nicht nur mit Jagdbeute assoziiert, vielmehr besteht eine sehr starke symbolische (und konkrete) Beziehung zwischen Nahrung und Frauen.
Die Frau gilt als Nahrungsspenderin par excellence, als eine Verkörperung der mythischen Nunkui, die den Vorfahren der Shuar Nahrung im Überfluss zur Verfügung stellte. Den Frauen obliegt sowohl die Verteilung der von ihnen erwirtschafteten Nahrungsmittel (u.a. alle Anbauprodukte), über die sie autonom verfügen, wie auch die Verteilung der Jagdbeute, die ihnen von den Männern übergeben wird. Wie Nunkui die hungernden Shuar in der mythischen Zeit großzügig mit Nahrung versorgte, so sollen es ihr die Frauen heute gleichtun.
Die Wildschweinspuren führen den mythischen Jäger zu einer Lichtung, wo sich die Symbole für Nahrung vervielfältigen, verdichten und Transformationen erfahren. Anstatt der erwarteten Jagdbeute trifft er auf eine Frau, die pumpu-Blätter pflückt, in denen Fleisch, Fisch oder Palmherzen über der Feuerstelle gegart werden. Im Gespräch stellt sich die Frau als Wildschweinfrau vor und verkörpert somit verschiedenen Aspekte von Nahrung: Jagdbeute, die vom Mann erlegt wird, Weiblichkeit als nahrungsspendende Dimension, die Blätter in ihrer Hand könnten auch zusätzlich als Verweis auf die Transformation vom Rohen zum Gekochten gelesen werden, die in erster Linie den Frauen obliegt. |