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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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Die Schule der Naturmythologen

„Die Natur ist der mütterliche Grund und Anfang der Vorstellungen von den Göttern gewesen.“ (Ludwig Preller 1854, in de Vries 1961: 203)

Wandbehang aus Mojos, Bolivien

Mythen sind Metaphern für natürliche Prozesse - so lautet die zentrale These dieser Forschungsrichtung des 19. und beginnenden 20.Jahrhunderts. Mythen entstanden - so etwa Max Müller - zu einer Zeit, als die Menschen zwar denken konnten, aber kein großes Abstraktionsvermögen besassen. Mythen sind ein Überbleibsel aus einer vergangenen Epoche der Menschheitsgeschichte, ihre Urform kann durch sorgfältige motiv-vergleichende Studien aus ihren Varianten rekonstruiert werden (Müller 1869). Mythen sind ein primitiver Versuch, verschiedene Naturphänomene zu erklären, diese Erklärungsversuche stellen auch die zentrale Aussage des Mythos dar, wie etwa Beispiele von Erzählungen über die Entstehung der Mondschatten. Im Gegensatz dazu stand die Ansicht viele Mythenforscher derselben Epoche, dass Mythen „bewusste Dichtungen“ sind und einen „Teil der Kunstpoesie“ darstellen.

Die Vertreter der Naturmythologie gingen von einem evolutionistischen Konzept der Entwicklung von Mythen aus, an deren Urgrund eine „sehr einfache, aber ganz seelenvolle Naturanschauung“ (Preller 1854, in de Vries 1961:204) zu finden ist. Die elementaren Kräfte und Vorgänge in der Natur (Regen, Blitz, Reifen der Pflanzen etc.), vor allem aber die Kontemplation der Himmelskörper (besonders Sonne und Mond) waren in der Vorzeit Anlass zur Mythenbildung.

So entbrannten auch heftige Diskussionen um die Frage, ob Sonnen- oder Mond-Motive die Urform der Mythen kennzeichnen. Die Sonnenthese bildete den Ausgangspunkt dieser Debatten und wurde von Max Müller und vielen anderen vertreten. Sie wurde später von der Mondthese abgelöst: Diese These geht von der Annahme aus, dass der Mondkalender in den indoeuropäischen Kulturen älteren Datums ist als der Sonnenkalender. Demgemäß sollen auch Mond-Mythen älter sein als Sonnenmythen und die Urform der Mythen in diesem Raum darstellen (vgl. u.a. Ehrenreich 1915).

Des weiteren beschäftigten sich die Vertreter dieser Schule mit der Beziehung zwischen Mensch, Natur und Übernatürlichem im Mythos.

 down 6.1 Mondschatten - naturmythologisch
 down 6.2 Naturmythologen zur Beziehung von Mensch, Natur und Übernatürlichem
 down 6.3 Bibliographie
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