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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 2 Das Erzählen einer Geschichte
 up 2.2 Kontexte und Ziele der Beschäftigung mit Mythen
 up 2.2.1 Spezifisches Wissensgefüge
 up 2.2.1.1 Wissen und Symbolsysteme in der inkaischen Gesellschaft

2.2.1.1.1 Amauta

Als amauta bezeichnete man in der inkaischen Gesellschaft Personen, die über besondere Fähigkeiten und Kenntnisse in verschiedenen Bereichen von Dichtung und Wissenschaft verfügten. Amauta waren Autoren der großen dramatischen Dichtungen, gleichzeitig aber auch politische Akteure, Ratgeber, Historiker und Philosophen. Der Chronist Inca Garcilaso de la Vega (16.Jahrhundert) beschreibt ihren Wirkungsbereich folgendermaßen:

„Die amautas wussten sehr viel und beherrschten viele Künste: sie waren Philosophen, sie schufen Komödien und Tragödien, die an hohen Feiertagen vor den Königen (inka) und dem Hof aufgeführt wurden. Die amauta gehörten nicht zu den Untertanen, sie waren Inka und Adelige, Söhne von Fürsten (curacas), manchmal auch selbst Fürsten und militärischen Führer (capitanes). In den Tragödien stellten sie oft ihre eigene Geschichte dar, denn das Theater handelte von militärischen Ereignissen, von Triumphen und Siegen, vom Ruhm und der Größe der Könige (inka) in vergangenen Zeiten und von anderen Heldentaten.“ (Garcilaso de la Vega in Alcína Franch 1989:12).

Zu den Aufgaben der amauta gehörte auch das Bewahren und die Weitergabe der Geschichte der Inka sowie das Verfassen von Triumpfhymnen und von Dankesgesängen an die Götter. Sie waren oft auch kipu kamayok, Experten für die Kodifizierung von Wissen in kipus (Knotenschnüren). Darüber hinaus waren die amauta für die Ausbildung der jungen Adeligen zuständig und galten als oberste Autorität in Fragen der Moral sowie in bezug auf die philosophischen Prinzipien, die das Leben in der Gesellschaft bestimmten.

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