Im Tawantinsuyu (Inka-Reich) wurde Wissen oral weitergegeben, dafür waren eine Reihe von SpezialistInnen zuständig:
- Kamachik Kamayuk. – Rechtsgelehrte
- Janpichik Kamayuk oder Yahak – traditionelle Ärzte
- Wasichik Kamayuk – Architekten und Baumeister
- Yakuchik Uamayuk – Spezialisten für den Bau von Bewässerungsanlagen
- Kipu-Kamayok Fachleute in der Handhabung der kipus (Aufzeichnungen in Knotenschrift)
- Amauta – Weise und Philosophen
- Willak Umus oder Yachak – geistige Führer und Schamanen
- Arawiku – Dichter
- Shuyuk – Maler
- Takik – Sänger
- Aranwa – Schauspieler
- Aya Uma – Pantomimen
(Kowii 2003)
Einige dieser Spezialisten - vor allem die Weisen und Philosphen, die geistigen Führer, Dichter, Maler, Sänger und Schauspieler - trugen auch die Verantwortung für die Bewahrung des Wissens, der Erinnerung und der Geschichte der Quechua. Wissen wurde immer gleichzeitig in vielerlei Formen festgehalten, unter anderem auch in Symbolsprachen wie dem kipu. So gehörte - ihren jeweiligen Aufgabenbereichen entsprechend - auch das Beherrschen von verschiedenen Symbolsystemen zu ihren Qualifikationen.
Dabei handelte es sich um Kenntnis und Anwendung materieller, mündlicher und spiritueller symbolischer Systeme.
Unter materiellen Symbolsystemen versteht man hier jene Gefüge von Zeichen und Bedeutungen, die als eine Art Schrift durch verschiedene Materialien verdinglicht zum Ausdruck gebracht werden, etwa durch Knotenschnüre (kipu), aber auch durch Keramik, Weberei, Körper- oder Gesichtsbemalung. Die mündlichen Zeichensystem sind direkt mit der gesprochenen Sprache und verschiedenen literarischen Ausdrucksformen, u.a. auch mit den Mythen verbunden.
Die spirituelle Symbolkunde bezieht sich auf die Deutung von Omen, Träumen, Visionen und anderen Erfahrungen und Ereignissen; sie bildete einen wichtiger Aufgabenbereich der Weisen und der geistigen Führer. Wissen wurde generell in mehreren Zeichensystemen kodifiziert, die einzelnen Personen mussten also immer mehrere Kommunikationssysteme beherrschen. (Kowii 2003) |