Betrachtung sozio-kultureller Erscheinungen unter dem Gesichtspunkt ihrer Funktion innerhalb einer Gesellschaft. Eine Gesellschaft wird dabei als ein organisches Ganzes verstanden, als ein Gefüge von Komponenten, die miteinander verbunden sich und sinnvoll zusammenwirken. Wichtige Fragestellungen der funktionalistischen Ethnologie beziehen sich auf die Prinzipien dieses Zusammenwirkens, z.B. auf die soziale Organisation. Einzelne Aspekte einer Gesellschaft werden nicht isolierst betrachtet und als Einzelphänomene mit anderen Gesellschaften verglichen, sondern im Kontext ihres spezifischen sozialen und kulturellen Gefüges untersucht und analysiert.
Der Funktionalismus wurde mit Aspekten des Strukturalismus kombiniert (Struktural-Funktionalismus) und war lange Zeit ein zentrales Paradigma der europäischen (vor allem der britischen) Sozialanthropologie. Viele Thesen des (Struktural)Funktionalismus bauen auf den Theorien des Soziologen und Ethnologen Emile Durkheim auf, wichtige Vertreter dieser Schule sind u.a. Bronislaw Malinowski, A.R. Radcliffe-Brown, Raymond Firth.
Kritik am (Struktural)Funktionalismus bezieht sich u.a. anderem auf die holistische Betrachtung einzelner Kulturen und auf das Vernachlässigen transkultureller Interaktionen und Veränderungsprozesse.
Kuper, Adam 1975: Anthropologists and Anthropology. The British School 1922-1972. Harmondsworth.
Radcliffe-Brown A.R. 1952: Structure and Function in Primitive Society. London. |