Viele Shuar-Mythen sind Metamorphosen, sie sind eine Chronik von Wandlungen und schildern eine Vielfalt von Transformationen. Von einem bestehenden Kosmos ausgehend, gestaltete sich die heute belebte und erfahrene Welt aus der Veränderung der mythischen. Die Welt als Raum, in dem die Erde als eine große Insel im unendlichen Meer schwimmt und über der sich der Himmel mit seinen anderen Lebenswelten ausdehnt, wird in den Mythen immer als gegeben vorausgesetzt. Die Mythologie schweigt aber nicht vollständig zu Fragen des Ursprungs und wird auch von den Shuar als historisch im Sinne einer Auseinandersetzung mit vergangenen Ereignissen und ihren Auswirkungen für die Gegenwart verstanden.
Die Beziehung der mythischen Zeit zur Gegenwart beinhaltet Kontinuitäten und Brüche. Einige Ereignisse sind auf die mythische Epoche beschränkt, etwa bestimmte Formen von Verwandlungen. So ist diese Zeit durch eine besonders enge Verflechtung von Mensch, Natur und Übernatürlichem gekennzeichnet, im Zuge des mythischen Prozesses kommt es dann zu einer stärkeren Differenzierung zwischen den verschiedenen Wesen und ihren Lebenswelten. Dies geschieht im Zuge von Verwandlungen, in deren Verlauf oft Tiere und Pflanzen entstehen. |