Hybridisierung und Synktretismus bezeichnen Prozesse der Verflechtung und Verschmelzung von unterschiedlichen Kulturen, Bedeutungssystemen, Traditionen. Der Begriff Synkretismus kommt aus der Religionswissenschaft und wird in erster Linie für religiöse Konzepte und Praktiken verwendet. Der Begriff Hybridisierung kommt aus der Biologie und wurde zunächst von der Literaturwissenschaft auf kulturelle Prozesse angewandt (Bhaktin 1981). Für Lateinamerika wurde er von García Canclini überarbeitet, der eine zeitliche Komponente (Tradition und Moderne) als weitere Ebene der Verschmelzungen in sein Modell der hybriden Kulturen miteinbezieht (García Canclini1995).
Synkretismus und Hybridisierung erfolgen oft unter spezifischen Machtverhältnissen (etwa im Rahmen von Missionierung, Kolonialismus, Globalisierung), die in ihre Analyse miteinbezogen werden müssen. Ferner gehen sie manchmal Hand in Hand mit Prozessen von Anti-Synktretismus (Abgrenzung, Erhalten des "Reinen", "Authentischen"), die ebenfalls eine politische Dimension aufweisen können und auch in Zusammenhang mit Revitalisierungsbewegungen stehen (vgl. Stewart und Shaw 1994).
Bhaktin, Michael 1981: The Dialogic Imagination: Four Essays. Austin, University of Texas Press.
García Canclini, Nestor 1995: Hybrid Cultures. Strategies for Entering and Leaving Modernity. Minneapolis/London, University of Minnesota Press.
Stewart, Charles and Shaw, Rosalind 1994: Introduction: Problematizing Syncretism. In: Stewart, Ch. and R. Shaw (Hrsg.), Sycretism/Antisyncretism. The Politics of Religious Synthesis. London and New York: Routledge: 1-26. |