Weltweit in vielen Gestalten verbreitete mythische Figur, die wesentlich an der Genese der Gesellschaft und ihrer Einrichtungen, oder auch am Entstehen der Differenz zwischen Menschen und Tieren beteiligt ist. Ein/e Kulturheros/herion lehrt die Menschen lebenswichtige Tätigkeiten (z.B. Gebären, verschiedene wirtschaftliche Tätigkeiten und Künste) und/oder verteilt Kulturpflanzen und/oder Kulturgüter an die Menschen. Die Aufteilung von bestimmten Gütern markiert in einigen Fällen Grenzen zwischen verschiedenen (ethnischen) Gruppen.
Oft hat er/sie Eigenschaften eines Tricksters, der neben den heilbringenden Einrichtungen auch Übel und Unheil in die Welt bringt. Manchmal überlisten KulturheroInnen auch andere Wesen (Götter, Ungeheuer), um den Menschen wichtige Einrichtungen (z.B. das Feuer) zu bringen. Im indianischen Amerika sind Kulturheroen oft Brüder oder Zwillinge, die im Zuge ihrer Abenteuer verschiedene Institutionen und Transformationen bewirken.
Die Figur des/der Kulturheros/heroin wird aus verschiedenen Perspektiven untersucht, z.B. in Zusammenhang mit der Verbindung von Mythos und Ritual (u.a. Agrarriten), aus vergleichender und/oder strukturalistischer Perspektive oder auch in Verbindung mit Fragen nach der sozialen Bedeutung von Mythen.
Campell, Josef 1949: The Hero with a Thousand Faces. New York, Pantheon.
Cunningham, Keith 1997: Culture Hero. In: Green, Thomas (Hrsg.), Folklore. An Encyclopedia of Beliefs, Customs, Tales, Music, and Art. Santa Barbara/Denver/Oxford: ABC-CLIO, Vol I: 164-167.
Jensen, Adolf. E. 1951: Mythos und Kult bei den Naturvölkern. Wiesbaden. |