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Mythen in Lateinamerika
Ethnologische Mythenforschung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 7 Motive und Motiv-Vergleiche
 up 7.3 Flutmythen

7.3.4 Beispiel: Flutmythe der Selk´nam

Zeichnung: Die Selk’nam (Feuerland/Chile)

"Einstmals in alter Zeit kam sehr viel Wasser. Unser ganzes Land wurde davon überschwemmt. Das Wasser stieg immer höher. Schließlich wurden auch die Berge vom Wasser bedeckt.

Die Menschen sahen das große Wasser kommen. Um sich zu retten, liefen sie auf die Felsen. Dabei wurden einige zu Seelöwen und andere zu Vögeln. Das Wasser verlief sich nachher wieder. Deshalb sitzen heute die Seelöwen und die Vögel so gerne auf Felsen und Sandbänken.

Dieses viele Wasser war deshalb gekommen, weil die Medizinmänner von damals nicht früh genug achtgegeben hatten als das Wasser herannahte. Sie hätten dasselbe aufhalten und zurückdrängen sollen.

Nach langer Zeit wollte das Wasser abermals aufsteigen und unsere Heimat überschwemmen. Aber diesmal merkten es die großen Medizinmänner zeitig genug. Alle traten zusammen und vereinigten ihre Kraft. Gegen so viele und mächtige xon vermochte das große Wasser nichts. Das Wasser konnte jetzt nicht mehr weitersteigen, somit blieben die Menschen und auch die Tiere unbehelligt und lebten nun weiter."

Mythe der Selk’nam (Feuerland/Chile) aufgenommen ca. 1923 von P. Martin Gusinde (Gusinde 1931: 625-626).

 down 7.3.4.1 Berge, Felsen, Palmen: Die Rettungsanker der Flutmythen
 down 7.3.4.2 Menschen, Seelöwen und Vögel: Transformation und Multinaturalismus
 down 7.3.4.3 Die Flut und die Macht der Schamanen
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