Die Indianer und ihre Kultur werden nicht nur moralisch und ästhetisch, sondern auch intellektuell abgewertet.
„Obwohl diese Barbaren nicht gänzlich ohne Urteilskraft sind, unterscheiden sie sich doch sehr wenig von den Schwachsinnigen. (...) Es scheint, daß für diese Barbaren dasselbe gilt wie für die Schwachsinnigen, denn sie können sich selbst nicht oder kaum besser regieren als einfältige Idioten." (Fransico de Vitoria in Todorov 1985:181)
Das Beharren auf der intellektuellen Unterlegenheit der Indianer ist eine wichtige Legitimation für den Eroberungskrieg und die Kolonialherrschaft - es ist dem zu Folge rechtens in ihrem Land zu intervenieren, um eine Art Vormundsherrschaft auszuüben.
Weiters wird Unverständnis in christlichen Glaubensfragen als Dummheit und Unvernunft abqualifiziert; eine Hierarchie des Wissens- und Denkenswerten, an deren Spitze zu dieser Zeit christliches Denken steht, wird etabliert und in den folgenden Jahrhunderten nur geringfügig modifiziert. So schreibt ein anderer Tiroler Jesuit, Pater Franz Xaver Zephyris 1728 in einen Bericht aus Andoas am Rio Pastaza (Peru):
"Der Priester kann mittlerweilen mit keinen einzigen Menschen, als bloß mit dummen Indianern umgehen, welche in vielen Stücken unvernünftiger sind als das witzlose Vieh und die wilden Bestien, mithin nicht verstehen, was man ihnen sagt, noch einer Unterredung fähig sind. Solchen Unverstand lassen sie niemals greiflicher verspüren, als wenn der Priester ihnen von Glaubenssachen oder oder von jenen Geheimnissen redet, so die Seligkeit betreffen: Da mag er viel Nürnberger Trichter umsonst verbrauchen, bevor er ihnen durch die dicke Hirnschale einen Tropfen Witz ins Hirn bringen wird. Man sagt zwar viel von der Einfältigkeit meiner Landsleute, allein ich kann versichern, daß der aller-einfältigste Tiroler Bauer unter diesen Barbaren billig als ein arglistiger Weltweiser, ja als vollständiges Ebenbild höchster Vernunft stehen würde." (Zephyris 1728:100) |