Die begriffliche Konstruktion des nicht-unterworfenen und nicht-akkulturierten Indianers als Wilden bildet einen integralen Bestandteil der Ideologie der Eroberung und des kolonialen Blicks. Wild sind in diesem Kontext die Anderen (Kulturen), die Handlungen der Europäer stehen hingegen im Dienste der Zivilisation und des Christentums.
Im Lateinamerika des 17. und 18. Jahrhunderts bezeichnete man grundsätzlich alle jene Indianer als "Wilde", die nicht christianisiert und kolonialisiert waren. Im Gegensatz zum Andenraum und seinen Bewohnern - "zahme und christliche Indianer, unter denen kein Heid mehr anzutreffen ist" - galt zu dieser Zeit Amazonien als Ort der wilden Heiden, der indios bravos. In diesen "weitschichtigen Wüsteneien und unbekannten Wildnissen" gab es - "allda noch viele Völker, welche in tiefen Wäldern und Heidentum leben" (Niclutsch 1781:35). |