Sepúlveda argumentiert im Disput von Valladolid - aufbauend auf Aristoteles - die Indianer seinen ungleich und zwar im Sinne von minderwertig, sie seien zur Sklaverei geboren. Alle (kulturellen) Unterschiede werden dabei auf die Gegensätze von Superiorität und Inferiorität, sowie auf Gut und Böse reduziert. Ein wichtiges Argument sind in diesem Zusammenhang die "gottlosen Rituale" der Indianer: „Dämonenkult", Menschenopfer und Kannibalismus - beschwören den Zorn Gottes herauf, ihre Vernichtung ist somit ein gottgefälliges Werk (vgl. Todorov 1985: 186-187).
Die offensichtliche Parallele der Menschenopfer zu eigenen religiösen Institutionen wie dem autodafé, bei dem regelmäßig Ketzer, Andersgläubige und „Hexen" von der Kirche verbrannt wurden, wird nicht thematisiert. Gewalt ist im Rahmen der eigenen Religion und/oder des eigenen politischen Systems eine heilige bzw. gerechtfertigte Handlung, bei den Anderen werden vergleichbare Handlungen als Ausdruck des Bösen interpretiert - ein politischer Diskurs, der bis heute weit verbreitet ist. |