„Der Wunsch nach Bereicherung und der Bemächtigungstrieb, diese beiden Formen des Machtstrebens, sind sicherlich eine Motivation für das Verhalten der Spanier; doch es wird gleichermaßen durch die Vorstellung bestimmt, die sie sich von den Indianern machen, eine Vorstellung, nach der diese ihnen untergeordnet sind bzw. in ihrer Entwicklung noch zwischen Tier und Mensch stehen. Ohne diese wesentliche Prämisse hätte die Vernichtung nicht stattfinden können." (Todorov 1985:177)
Im Lauf der ersten Jahrzehnte der Conquista gelangten widersprüchliche Berichte über die indianischen Kulturen nach Europa. Es stellte sich die Frage, welche Art von Wesen die Indianer wären und wie sie demnach zu behandeln seien. Diese Frage von war philosophischer und theologischer, aber auch von politischer und ökonomischer Relevanz. Zum einem hörte man von sanften Wesen, die von Natur aus dem Christentum zugeneigt waren, zum anderen von Heiden, die mit dem Teufel sprechen, und von blutrünstigen Kannibalen. Währenddessen schritt die Eroberung voran und „das 16.Jahrhundert sollte Zeuge des größten Völkermordes in der Geschichte der Menschheit werden." (Todorov 1985:13) Man nimmt heute an, das nur 20% der indianischen Bevölkerung Lateinamerikas das 16. Jahrhundert überlebten. Neben der direkten Gewaltanwendung waren dafür durch die Zerstörung ausgelöste Hungersnöte und eingeschleppte Krankheiten verantwortlich. |