Unter den verschiedenen Missionsorden nahmen die Jesuiten eine besondere Position ein. Die Gesellschaft Jesu war vom 16.-18. Jh. besonders intensiv tätig. Sie bekam (wie viele andere Orden) große Landstriche und ihrer indianischen Bewohner von der spanischen Krone als eine Art feudales Lehen übertragen - sogenannte Reduktionen (reducciones - von "zusammenschließen"). Die Gesellschaft Jesu entwickelte sich zu einem wichtigen Machtfaktor im gesellschaftlichen Gefüge des kolonialen Lateinamerikas. Sie wurde schließlich 1767 aufgrund politischer Verwicklungen verboten und die Reduktionen in Lateinamerika wurden aufgelöst.
Die Gesellschaft Jesu stand in enger Beziehung zur spanischen Krone, aber auch zu den österreichischen Habsburgern. Dem Kaiser, der selbst kein Kolonialreich beherrschte, war es ein besonderes Anliegen, sich zumindest am Missionsprojekt zu beteiligen. In diesem Sinne schloss er eine Art „Missionsabkommen" mit der spanischen Linie. So stammten viele Missionare in Lateinamerika aus den habsburgischen Ländern: Sie waren an den verschiedenen jesuitischen Missionsprojekten, u.a. am „Jesuitenstaat" in Paraguay maßgeblich beteiligt. Sie hinterließen auch eine Fülle an ethnographischen Quellen, die in deutscher Sprache verfasst wurden und größtenteils in Österreich und Ungarn archiviert sind.
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