Indigene Wirtschaft und Lebensweise implizieren eine andere Naturauffassung sowie umfassende Kenntnisse in bezug auf die nachhaltige Nutzung fragiler Ökosysteme, etwa in den Anden oder in den Regenwäldern Amazoniens. Diese Tatsachen bilden heute eine wichtigen Faktor in der Argumentation der indigenen Organisationen bei ihren Forderungen nach territorialen Rechten (vgl. u.a. auch Grünberg 1994, Sponsel 2002)
"Heute lebt ein großer Teil der indigenen Völker Ecuadors in tropischen Waldgebieten. Diese Völker bewohnen seit undenkbaren Zeiten jene ökologischen Zonen, in denen heute die schwersten Schäden an der Umwelt von den transnationalen Konzernen angerichtet werden.
Paradoxerweise haben die indigenen Völker mit ihrer traditionellen Praxis der Erhaltung der Wälder gezeigt, daß sie größere Fähigkeiten im Umgang mit der Umwelt haben (als die Europäer), sie nutzen sie, ohne den Boden, die Flora oder Fauna zu zerstören. Doch diese Situation wird in den letzten Jahren massiv bedroht, da die europäischen Nationen in den Regenwaldgebieten gewaltige natürliche Ressourcen sehen. Der Abbau dieser Ressourcen sowie die unkontrollierten Kolonisationsprojekte sind die Hauptursache für die Störung des ökologischen Gleichgewichts.
Heute ist der ecuadorianische Boden nur in geringem Maß produktiv: Er wird von den ineffizient genützten Ländereien der Großgrundbesitzer erdrückt, von den kleinen Parzellen ausgelaugt, das Ökosystem der amazonischen Wälder wird abgeholzt und die alten Technologien werden vernachlässigt. Aus diesem Grund fordern die indigenen Völker Ecuadors vom Staat die Anerkennung und Übertragung ihrer angestammten Territorien. Sie fordern weiters ein Konzept des Umweltschutzes, der ein gesundes ökologisches Gleichgewicht garantiert, das der gesamten Bevölkerung zugute kommt." (CONAI 1992:3)
Die Kritik der indigenen Nationalitäten an den Aktivitäten nationaler und transnationaler Unternehmen in ihrer Lebenswelt verweist sowohl auf Umweltzerstörung als auch auf soziale bzw. kulturelle Schäden. Studien der Föderationen des Amazonasgebiets zeigen die verschiedenen Dimensionen der Zerstörung, u.a. das Ausmaß der Entwaldung in dieser Region und die destruktiven Auswirkungen von Ölgesellschaften, Holzfirmen, Minen, Agroindustrie, Agrochemie und Tourismus.
Die Einrichtung von Nationalparks im Sinne des europäischen Naturschutzes bildet keine Lösung der Problematik. Die Praxis zeigt, daß solche Parks von den Nationalstaaten nicht so sehr als "Natur-Reserven", sondern vielmehr als "Ressourcen-Reserven" verwendet werden, die im oportunen Moment wieder umgewidmet und einer Ausbeutung z.B. durch transnationale Ölgesellschaften zugeführt werden (vgl. auch Gesamthochschule Kassel 1996). |