Die Welt der Geistwesen in den Flüssen. Aus einem Gemälde von Pablo Ameringo (http://sensorium.com/usko/index.html) (Luna und Ameringo 1999:83)
Der Schamanismus ist durch ein besonders Naturverständnis gekennzeichnet, das eine wichtige Dimension des schamanischen Weltbilds darstellt. In diesem Sinne wird er von einigen AutorInnen auch als „ökologisches Glaubenssystem" (ecological belief system) bezeichnet (Furst 1994:3). So verfügen Schamanen meist etwa über ein profundes ökologisches Wissen, etwa in Hinblick auf pflanzliche Heilmittel. In einigen tropischen Regionen - z.B. im Amazonasraum - erstrecken sich ihre pharmakologischen Kenntnisse auf bis zu 500 verschieden Pflanzen und Substanzen, der Wirkungsweisen oft der westlichen Wissenschaft unbekannt sind.
Die „andere Welt" existiert einerseits parallel zur Alltagswelt, andererseits erstreckt sie sich auf jene Zonen des Kosmos, die von „normalen Menschen" nicht wahrgenommen oder betreten werden können. Das trifft oft auf den Großteil des Weltenraums zu. So sprechen etwa die Yagua des peruanischen Amazonasgebiets von einem vielschichtigen Kosmos, wobei die „sichtbare" menschliche Lebenswelt nur eine dünne Schicht bildet, die sehr wenig Raum im Vergleich zu anderen Zonen einnimmt (Chaumeil 1998:182). Rituelle Spezialisten, vor allem Schamanen, können die Grenzen zwischen den beiden Welten überschreiten und auf besondere Weise mit den „anderen Wesen" kommunizieren.
Einen weiteren bedeutenden Aspekt des Verhältnisses von Schamanismus und Natur bildet das Verständnis von Kosmos, Mensch und Spiritualität. Schamanische Praktiken sind in ein philosophisches Gefüge eingebettet, das generell indianische Kulturen gekennzeichnet und auch in anderen Lebensbereichen zum Ausdruck kommt, etwa im Rahmen von Agrarriten. Einige Aspekte dieser Weltbilder sind für den Schamanismus von besonderer Bedeutung. |