Im Unterschied zu den Inka, die zwar ihren Staats- und Sonnenkult im den eroberten Gebieten einführten, die lokalen Religionen jedoch weiter bestehen ließen, gab es für die Spanier nur einen Gott. Die Indianer zu diesem zu bekehren, war das erklärte Ziel der Conquista. Die indianischen Religionen wurden als Teufelswerk betrachtet, PriesterInnen und SpezialistInnen der einheimischen Religionen verfolgt, Kultstätten und Götterstatuen zerstört. Ein Objekt der Agression war u.a. der Sonnentempel in Cuzco, der die Kosmologie der Inka darstellte: auf seinen Grundmauern steht heute eine Kirche.
Religiöse SpezialistInnen der indianischen Religionen konnten in der Kolonialzeit (und noch lange darüber hinaus) nur versteckt agieren. Rückzugsgebiete waren entlegene ländliche Zonen, die von der Kolonialverwaltung kaum erfasst wurden. Trotz der Verfolgung wurden viele Rituale und Ideen über die Jahrhunderte mündlich tradiert, sie bilden bis heute Bausteine des Schamanismus in den Anden sowie an der Pazifikküste und sind in den indianischen Kosmologien und Riten in Anden präsent (vgl.Gareis 1987, 1999, Silverblatt 1987).
Poma de Ayala dokumentierte in seiner Chronik zum einen die religiösen Praktiken der inkaischen Zeit, aber auch die Vorstellungen der Christen über die indianischen Riten. Er kritisiert die Vorgangsweise vieler Missionare, u.a. ihre Intolleranz in religiösen und kulturellen Fragen. |