
Die tropische Wald-Landwirtschaft im Amazonasgebiet besteht aus einer Kombination von Bodenbau, Jagd, Fischfang und Sammeln, sie stellt also eine Verflechtung von erwerbenden und produzierenden Subsistenzformen dar. Im Amazonasgebiet ist die tropische Wald-Landwirtschaft keineswegs gleichförmig, sondern umfaßt eine große Bandbreite von Variationen, die einerseits die spezifischen ökologischen Bedingungen einer Region, andererseits die soziale Organisation der jeweiligen Gemeinschaften reflektieren.
Anthony Leeds erstellte eine Typologie, die drei große Gruppen von Subsistenzformen und mehrere Untergruppen umfaßt (Leeds 1961). Für ihn stellen die drei Typen auch Abstufungen zwischen stärker erwerbenden (Jagen, Sammeln) und stärker produzierenden (Bodenbau) Wirtschaftsformen dar. Im Sinne der Kulturökologie werden diese Subsistenztypen mit bestimmten Ebenen der sozio-politischen Integration korreliert:
Seit 1970 wurde eine große Bandbreite von detaillierten empirischen Studien zu verschiedenen Formen der tropical forest horticulture in diversen ökologischen Zonen des Amazonasgebiets erstellt. Sie geben einerseits genauen Einblick in vielfältigen Möglichkeiten den Regenwald zu nutzen und zeigen die Komplexität des agrarischen Wissens der indianischen Gemeinschaften. Andererseits beschäftigen sie sich auch mit den Verflechtungen von Wald-Landwirtschaft mit Weltbild, Mythologie und Ritual.
Darüber hinaus analysieren viele Studien die Bedeutung dieser ökologisch angepassten Wirtschaftsformen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Regenwaldes. Im Amazonasraum ist die indigene Wirtschaft traditionell subsistenzorientiert und nicht auf die Produktion für nationale oder internationale Märkte ausgerichtet. Sie dient in erster Linie dem Lebensunterhalt kleiner Gemeinschaften, die seit ca. 5000 Jahren die tropischen Regenwälder Amazoniens besiedlen und bewirtschaften ohne ihr ökologisches Gleichgewicht nachhaltig zu stören.
Die Kulturlandschaften Amazoniens bestehen aus bebauten Flächen und bewirtschaftetem Wald. Diese Form der Subsistenz umfaßt hochspezialisierte Nutzungsmodelle, die dem labilen ökologischem Gleichgewicht tropischer Regenwälder gerecht werden.
Die Studien zur tropical forest horticulture stehen demnach auch in enger Verbindung mit der angewandten Anthropologie, die ihr Wissen im Rahmen von verschiedene Projekten, meist in Zusammenarbeit mit NGO´s, einsetzt (vgl. Sponsel 2002). |