Der Handel an der colonial frontier in Brasilien wird von Kaufleuten und Seefahrern verschiedener europäischer Nationalitäten (in erster Linie von Portugiesen und Franzosen) abgewickelt, die jeweils im Schutz der einen oder der anderen Großmacht stehen und ihre Interessen vertreten. Ein Teil der Händler lebt an der Küste in kleinen befestigten Siedlungen, andere sind oft monatelang bei den indianischen Gemeinschaften im Landesinneren unterwegs.
An der Küste wird die Handelsware gestapelt, bis sie von einem Schiff geholt und nach Europa transportiert wird. Obwohl es Staden nicht ausdrücklich erwähnt, ist es anzunehmen, dass auch weitreichende Handelsnetze zwischen verschiedenen indianischen Gemeinschaften zu diesem ökonomischen Gefüge gehörten.
Jene Gemeinschaften der Tupinampá, bei welchen sich Staden aufhält, verfügen alle über Handelsgüter europäischer Herkunft, sie verwenden Gewehre, Äxte, Messer und andere Geräte aus Eisen. Bei seiner ethnographischen Beschreibung weist Staden mehrmals darauf hin, dass traditionelle Steinwerkzeuge kaum mehr verwendet wurden. Auf der Ebene der materiellen Kultur kam es entlang der colonial frontier also sehr schnell zu einer Hybridisierung.
Die begehrten Handelswaren waren auch die Antriebskraft für Allianzen mit den verschiedenen europäischen Akteuren, die dem Muster von politischen Allianzen und Handelsbeziehungen in indianischen Gesellschaften folgten. Diese spielten wiederum ein wichtige Rolle in der lokalen Bündnispolitik und in bezug auf Konflikte zwischen verschiedenen indianischen Gruppen. |